Der Sockenfresser

Suchbild: Wo ist die linke Socke?

In unserer Wasch-maschine tummelt oder besser tümmlert sich der Sockenfresser. Er ist so klein, dass er durch die Schlitze der Trommel passt. Daher ist er nahezu unsichtbar und hält sich meistens auf der Antriebswelle auf, denn er liebt Karussellfahren. Dort bleibt er auch, wenn die Maschine mit 90, 60 oder 40 Grad läuft. Denn das ist für ihn zu warm. Bei 30 Grad aber wird er aktiv, schwingt sich von der Welle und schlüpft in die Trommel. Restlos aufgeregt wird er, wenn er Socken findet. Er ist aber sehr eigenwillig und eine richtig linke Socke. Denn eine einzelne Socke interessiert ihn nicht. Er sucht so lange in der Trommel bis er ein Paar gefunden hat. Dann macht er sich unverzüglich über das eine Teil her und verspeist es restlos. Nicht einmal eine einzige Fluse lässt er übrig. Er achtet auch penibel darauf, dass nicht etwa zwei Socken übrig bleiben, die einander ähnlich sind.

 

Gesättigt rülpst er laut, so dass wir jedes Mal denken, die Maschine gibt ihren Geist auf. Sie ist ja auch nicht mehr die jüngste. Anschließend schleicht er sich zurück auf seine Antriebswelle.

 

Gesehen haben wir ihn noch nie. Doch allein durch seine Existenz erklärt sich die merkwürdige Tatsache, dass nach dem Waschen immer nur einzelne Socken übrig bleiben. Ich besitze davon inzwischen vierundzwanzig.

 

Aber ich habe ihn überlistet. Es ist zu meiner Angewohnheit geworden, zwei unterschiedliche Socken zu tragen, links hellgrau und rechts schwarz oder links rot geringelt und rechts blau kariert. Der einzige Nachteil ist, dass meine bessere Hälfte jedes Mal einen Schreikrampf bekommt, wenn ich auf dem Sofa sitze und die Beine übereinander schlage.

© Ulli Kammigan 2015/16