Topf und Deckel

 

Es heißt ja so schön, auf jeden Topf passt ein Deckel. Das ist sicherlich richtig, und es läuft auch eine Unmenge an einzelnen Töpfen und Deckeln herum, nur mit dem Passen ist es so eine Sache. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass viele davon Schrammen und Kratzer haben, schließlich sind sie nicht neu und außerdem kann dadurch das individuelle Aussehen ganz sympathisch sein.

Aber etliche sind derart verbeult, dass überhaupt nichts mehr passt. Auch der Vorteil, dass beide, nämlich Topf und Deckel, an der gleichen Stelle ausgebeult sind, ist nur ein scheinbarer. Wenn man sie richtig aufeinander legt, passt es schon. Aber es braucht sich nur der oder die eine einmal etwas drehen zu wollen. Das geht dann schon nicht mehr.

 

Auch scheinen einige Töpfe Löcher im Boden zu haben oder völlig bodenlos zu sein. Man füllt sie auf mit allen möglichen schönen Dingen, mit Gefühlen vom Feinsten, mit den herrlichsten Aphrodisiaka und es läuft alles durch, sie bleiben innen leer und hohl.

 

Problematisch wird es, wenn man versucht, einen leeren Topf zum Kochen zu bringen. Er wird dann nur entsetzlich rot, bringt den Elektroherd zum Durchbrennen und ist danach restlos unbrauchbar, sozusagen ausgebrannt. Manchmal übersieht man auch, dass tatsächlich noch ein kleiner Bodensatz von Fett im Topf war, die Folge ist dann, dass es eine heftige, aber sehr kurze Stichflamme gibt. Nach dem Erlöschen bleibt nur noch trostlose Schwärze zurück, und der Topf ist nur noch für den Müll gut, recyceln lässt er sich nur selten.

 

Doch man soll das alles nicht so dramatisch sehen. Mancher Topf kommt auch gut ohne Deckel zurecht. Er ist dann immerhin ausgesprochen offen, und man kann gut sehen, was in ihm steckt, wenn denn überhaupt etwas in ihm steckt.

 

Obwohl sicherlich manche Deckel auf mehrere Töpfe passen, so genannte Einheitsdeckel, sollte solch ein Deckel nicht verschiedene Töpfe gleichzeitig am Kochen haben. Bei dem ständigen Wechsel zwischen den Töpfen allein zu dem Zweck, das Überkochen zu verhindern, fällt so ein Deckel viel zu oft herunter. Solche Deckel haben dann die größten Beulen und passen letztendlich nirgends mehr.

 

Wie sollte nun ein passender Topf sein? Er darf Kratzer und Schrammen haben, schließlich hat man selbst einige davon vorzuweisen, aber verbeult muss er nicht gerade sein. Und er muss funktionsfähig sein, in jeder Beziehung. Man muss immer noch etwas in ihm zum Kochen bringen können, wenn es denn nicht ständig überkocht. Man muss schöne und abwechslungsreiche Gerichte in ihm zubereiten können und nicht jeden Tag dieselbe Kartoffelsuppe aus dem Missionarshaushalt. Und wenn es dann kocht, muss er den Deckel zum Vibrieren bringen. Das geht aber nur, wenn der Deckel nicht allzu fest auf dem Topf sitzt. Bei einem Schnellkochtopf, bei dem der Deckel sich gleichermaßen auf den Topf klammert, vibriert überhaupt nichts. Da geht höchstens einmal der Dampf unter lautem Zischen heraus.

 

Also, ihr Töpfe und Deckel, wenn ihr denn etwas Passendes, nicht Verbeultes, gefunden habt, haltet es fest, aber klammert nicht. Und vergesst nicht, man sieht selten einem Topf äußerlich an, wie gut er kocht. Unter manchem Kratzer und mancher Schramme verbirgt sich oft hervorragender Edelstahl oder Kupfer; Töpfe also, die schnell zum Kochen zu bringen sind, die aber lang und anhaltend weiter kochen, da sie hervorragend die Energie speichern können.

Ulli Kammigan, März 1996