Wanderer, kommst du nach Spa

 

Wanderer, kommst du nach Spa – nien, besuche niemals ein privates spanisches Krankenhaus, das kann böse enden, wie man folgender Begebenheit entnehmen kann:

 

Leider hatte mich nicht die Spanische Fliege (lytta vesicatoria) erwischt, was nicht so dramatisch gewesen wäre, da sie zwar hochgiftig ist, aber in kleinen Dosierungen als Potenzmittel gelten soll, sondern die »bruja« (span.: Hexe) hatte auf mich geschossen und mich unterm rechten Schulterblatt erwischt. Voll die Kante! Ich hatte zwar den aufrechten Gang nicht verlernt, aber konnte mich nur unter großen Schmerzen setzten, hinlegen oder drehen. Also brachten mich unsere Freunde, Giselle und Wotan, trotz deutschen Namens Halbspanier, ins »Universitario Hospital de Madrid«, in Torrelodonnes, einem kleinen Ort, sechzig Kilometer nordwestlich von Madrid – und das »privado«.

 

Das hätten sie tunlichst lassen sollen. Denn als erstes musste ich Eintritt bezahlen: 350 Euros, sonst hätten sie überhaupt nichts gemacht. Die Wartezeit war tatsächlich recht kurz, etwa 10 Minuten, war ja auch »privado«, und der Arzt – jedenfalls behauptete er, einer zu sein – fragte dies und das, natürlich auf Spanisch, denn Englisch kann ein Arzt an einem Universitätskrankenhaus auf der Iberischen Halbinsel natürlich nicht und Deutsch erst recht nicht, und ich antwortete das und dies auf Deutsch, und Gisela übersetzte. Ich kannte sogar das spanische Wort für mein Leiden, nämlich »lumbago« (dt.: Hexenschuss), aber das beeindruckte ihn nicht die Bohne.

 

Dann haben sie zwei Röntgenbilder gemacht, um festzustellen, dass da nichts war, außer ´ner Wirbelsäule natürlich, auch ein Schulterblatt konnten sie erkennen. 

 

Zurück beim Pseudoarzt erklärte dieser mit blumenreichen Worten, die Giselle wieder wenig blumenreich übersetzte, dass seine junge spanische Assistentin mir eine Spritze geben würde, die schmerzlindernd und entzündungshemmend sein würde. Nebenan gab dann seine junge spanische Assistentin mir eine spanische, schmerzlindernde und entzündungshemmende Spritze ins deutsche Gesäß, die aber lediglich bewirkte, dass die Schmerzen für ein paar Stunden erträglicher wurden 

 

Dann sollte ich mir in einer Apotheke Schmerzmittel kaufen, ein Rezept gab es nicht, das kannte er nicht. Wozu auch? Das stand ja in seinem »informe de urgencias« (Notaufnahmebericht). In spanischen Apotheken ist so ziemlich alles von Amphetamin über E605 bis Zoledronsäure rezeptfrei zu erhalten. Die wunderschönen, in zwei verschiedenen Rottönen gehaltenen Kapseln halfen dann auch einigermaßen, jeweils für etwa acht Stunden. Dann ging es wieder los, wenn ich nicht rechtzeitig den nächsten Schmerzhammer einwarf. Das ging fast fünf Tage lang.

 

Am nächsten Tag sollte ich die Rechnung abholen. Da stand drauf, natürlich auf Spanisch: »Eine Notaufnahme-Einheit: 337,55 Euro«, sonst nichts. Ich bekam sogar 12,45 Euro zurück, bar Kralle. Giselle schimpfte los, er solle doch mindestens aufschreiben, was er gemacht hätte und was für ein Zeug er mir hat spritzen lassen. Aber da murmelte er, das würde extra kosten, noch einmal ein paar Hunnis, außerdem würde er das nicht aufschreiben, so etwas hätte er noch nie getan, und dann hätten die beiden Röntgen-Aufnahmen doch gar nichts gekostet, die seien bereits im »modulo de urgencia«, der Notaufnahme-Einheit, enthalten.

 

Streit hin, Streit her, und Englisch könne er schon gar nicht. Das einzige, was er könne, sei Geld abzocken (O-Ton Giselle).

 

Also: Wanderer, kommst du nach Spa – nien, gehe niemals in ein privates Krankenhaus. Noch schneller als du drankommst bist du dein Geld los.

 

Es gibt unbestätigte Meldungen, dass bei anderen spanischen Krankenhäusern im Eintrittsgeld immerhin kostenlose Einäscherung und eine schlichte Urne im Preis enthalten sein sollen, aber das ist wohl ein Gerücht.

 

Bei der Rechnung werden die deutschen Kranken-versicherungen wahre Entzückensschreie ausstoßen, denn Rechnungen, auf denen nicht einmal steht, was Arzt und Krankenhaus alles so angestellt haben, landen dort im großen Müllschlucker.

 

Aber ich will ehrlich sein: Seit der neunten Antischmerz-dröhnung geht es mir besser. Deshalb kann ich auch galgenhumormäßig hier ´rumlästern.

 

Ulli Kammigan Juli 2014, Hexenmeister