Fly Emirates

 (Mail 1)

»Fly Emirates« verkünden schon die HSV-Spieler auf ihren Trikots, denn Emirates ist eine der pünktlichsten Airlines. Deshalb flogen wir auch in Hamburg mit einer knappen Stunde Verspätung ab. Dem Pilot war das offenbar peinlich, denn er drehte mächtig auf und machte die Verspätung wieder wett. Pünktlich gegen 22.30 Uhr erreichten wir den Luftraum über Dubai. Doch hier war erst einmal Schluss, denn ganz viele Kollegen von ihm hatten dieselbe Idee, nämlich um 22.30 landen zu wollen. Es herrschte »Rush-Hour« im Himmel über Dubai. Bei uns ist die ja eher so um 17.00 Uhr, aber da ist es in Dubai viel zu warm, und man macht dann lieber »Siesta«. Also reihten wir uns in die Warteschlange ein, und kreisten über einen Stunde lang über den Köpfen der Scheichs der Arabischen Emirate.

 

 Irgendwann kamen wir dann doch runter nach dem Motto »runter kommen sie alle« und fuhren auf dem Flughafen spazieren, vorbei an tausend und einer Baustelle. An der tausend und zweiten hielten wir an und es kam ein Bus, der uns an tausend und einer Baustelle vorbei zurück zum Terminal brachte. Es war inzwischen kurz vor ein Uhr nachts. Auch in den Gängen des Terminals herrschte »Rush-Hour«, denn der Anschlussflug nach Sydney zeigte schon seit Längerem »boarding« an. Also hetzten wir vorbei an schwarzen Koffern und dunklen Anzügen mit schwarzen Sonnenbrillen (um ein Uhr nachts!) und  etlichen, wohl Einheimischen, in gestreiften Nachthemden. Es ging mit dem Fahrstuhl ganz nach unten, wo australische Zollbeamte unser Handgepäck nach kontaminierten Staub vom Mars absuchten. Der australische Zoll sei aber auch wirklich pingelig, wurde uns von einer arabischen Schönheit und Airport-Angestellten hinter vorgehaltener Hand versichert.

 

 Dann ging es mit dem Fahrstuhl wieder ganz nach oben, dort, wo wir herkamen. Endlich saßen wir im A380 in der oberen Etage, blickten auf das rege nächtliche Baustellen-Treiben und warteten darauf, dass der Pilot endlich abhob. Durfte er aber nicht, er musste auf unser Gepäck aus der verspäteten Maschine aus Hamburg warten.

 

 Mit einer Verspätung von einer Dreiviertelstunde ging es dann pünktlich auf den Dreizehn-Stunden-Flug über den Indischen Ozean und den australischen Kontinent. Es wurde auch kurz einmal hell, aber das kriegte kaum einer mit, weil alle pennten oder sich ein paar Filme aus einer Auswahl von über zweihundert reinzogen. Ich genoss den Film »Gravity«, in dem Sandra Bullock als einzig am Leben gebliebene Astronautin, sogar George Clooney nippelte dabei ab, es schafft über diverse lädierte Raumstationen der Russen und Chinesen wieder zurück auf die Erde zu kommen. Der hochdramatische Rückflug war dermaßen unruhig, dass der gesamte Bildschirm wackelte, und nicht nur der. Der gesamte A380 wackelte, wir durchflogen gerade etliche Turbulenzen.

 

Toll! Fernsehen mit Life-Effekt! Die geben sich schon Mühe, die Scheichs von Arabien.

 

Auf dem Flughafen von Sydney ging alles ganz schnell. Ehe wir uns versahen, saßen wir im Shuttle-Auto und standen nachts um halbzwölf vor Tochter Sarahs Tür in Manly.

 

 

Nun ist Dienstag, der zweite Tag in Sydney, es ist halb fünf Uhr morgens. Wegen der Zeitumstellung bin ich wach und sitze am offenen Fenster, die Wellen rauschen, unten fährt ein Reinigungsfahrzeug vorbei, das die Straße nass macht, am Strand vorne harkt eine große Maschine im grellen Scheinwerferlicht den Sand und ich sehe die ersten Jogger über die Strandpromenade laufen.

 

Sarah hatte gestern freigenommen, sich ein Auto von einer Freundin geliehen und uns durch die Gegend kutschiert. Auch haben wir beide bereits »downunder« im Wasser gepaddelt. Es war, obwohl Hochsommer, ganz schön kalt, kaum 22 Grad.

 

Um sieben Uhr morgens habe ich nebenan bei „Coles« Brötchen geholt. Da war schon wieder Rush-Hour. Im Treppenhaus kamen mir drei quatschnasse Mädels entgegen, die ihre Surfbretter die Treppe hoch schleppten. Zwischen sechs (wenn die Sonne aufgeht) und sieben ist alles, was in Manly zwei Beine hat und unter fünfunddreißig ist zum Surfen, Schwimmen, Tauchen oder Joggen, bevor es zur Arbeit geht. Auch Sarah ist natürlich längst im Pazifischen Ozean zugange.

 

 Sie ist überhaupt unglaublich, wenn sie nicht im Pazifischen Ozean schwimmt: Erst einmal hat sie mir ein i-phone besorgt und mit 130 $ aufgeladen. Das hat sie inklusive Sim-Karte aber nur­
22 $ = 15 Euro gekostet, und ich kann umsonst mit ihr telefonieren, im Internet rumsurfen und es sogar als Navi benutzen.

 

Dann waren wir gestern Abend beim »Thai« essen. Sie hatte einen »Voucher« auf ihrem Handy, den das Bedienungsmädel auf ihr Handy abfotografierte, und schon hatten wir zu dritt ein Drei-Gänge-Menü mit einer Flasche Wein und Wasser für 39 $ statt 102 $. 

 

Sie ist wirklich ein unglaublicher Lebenskünstler. Von mir hat sie das nicht, oder?

 

Nun ist sie zur Arbeit, und es ziehen Wolken auf. Heute Abend soll es regnen, aber dann sind wir in der Oper. Sarah hat Karten für die berühmte Sydney-Opera besorgt.

 

 

 

Cockatoo Hai-Land

(Mail 2)

 

Heute, Donnerstag, war Badetag, denn morgen geht es mit den Mietauto Richtung Melbourne und später über die South Ocean Road nach Adelaide. Heute Abend ist das Abschiedsessen von Sarah. Doch zurück zu Dienstag, denn Dienstag war Operntag.

 

Bevor es in die Oper ging, gab es zur Stärkung Känguru-Burger. Schmeckte wie Rind, war aber etwas trocken und fade. Ich hatte wohl zu wenig Salz und Pfeffer verwendet.

 

Die Oper war dann beeindruckend. Der Saal mit 1.500 Plätzen war fast ausgebucht, 60 % davon waren Chinesen, die sich schlecht benahmen. Davon abgesehen hat es sogar Ulli gefallen, wo er doch eigentlich Opern überhaupt nicht mag: Hohes Frauengejaule und kastrierte Männerstimmen! Aber schon das Bühnenbild war wahnsinnig und die Musik auch nicht unbedingt schlecht: Mozart blies auf seiner »Magic Flute« herum. Aber das alles in einem der  weltberühmtesten Opernhäuser, das hatte schon etwas. Auch Sarah hat es gefallen, wenn man einmal davon absieht, dass sie es gar nicht gut fand, dass sie ihr Getränk nicht mit hineinnehmen durfte, wo man das doch sonst überall in den Aussie-Kintopps darf.

 

Der nächste Tag: Sarah hat uns inzwischen längst zu einheimischen Rentnern erklärt und uns Rentner-Tickets besorgt, die nur »residents« bekommen. Damit können wir alle Verkehrsmittel in Sydney zum Preis von 2,50 $ pro Tag benutzen. Wir fahren eine halbe Stunde mit der Fähre von Manly ins Zentrum bei Harbour Bridge und Opera und von dort mit einer zweiten zum »Taronga Zoo«, wo wir als gestandene Aussie-Rentner ebenfalls verbilligt hineinkamen. Dort treffen wir doch tatsächlich jemanden an, von dem ich glaubte, er sei längst ausgestorben, nämlich den »Tasmanischen Teufel«. Der allerdings war psychisch gestört, denn er rannte bei helllichtem Tag durch sein Gehege. Das tut der gemeine Tasmanische Teufel in der Regel nicht, der ist sehr scheu und, wenn überhaupt, nur nachts unterwegs. Es scheint hier also an Psychotherapeuten für Tasmanische Teufel zu mangeln.

 

Cockatoo Island ist angesagt! Das ist eine kleine Insel und Freilichtmuseum im verzweigten Fjord und Hafen von Sydney, wo die ersten englischen Strafgefangenen ankamen und schuften mussten und die später zur großen Schiffswerft wurde, also für australische Verhältnisse uralt, und es ist jetzt Weltkulturerbe der UNESCO. Hier verbringen wir einen Abend und eine Nacht in einen luxuriös eingerichteten Appartement, in dem früher der oberste Boss wohnte. Das ist das abgefahrenste, was sich ein Aussie vorstellen kann. Natürlich hat Sarah das organisiert. Sie arbeitet dort.

 

Dann sitzen wir auf dem Weltkulturerbe, auf einem 50 Meter hohen Felsen, haben vor unserer Terrasse einen Garten mit blühenden Pflanzen und schauen übers Wasser auf Harbour Bridge und Skyline von Sydney und sehen die Sonne untergehen. Sarah bereitet uns Känguru-Steaks auf dem Barbecue zu, diesmal aber »richtig«. Sie müssen innen noch ganz roh sein, nur dann sind sie zart und saftig. Später fährt sie allein zurück nach Hause.

 

 Cockatoo Island hat auch eine Badestelle, aber Sarah rät uns davon ab, dort ins Wasser zu gehen. Denn das Hafen- und Fjordgebiet von Sydney sei sehr fischreich, und daher gibt es hier haufenweise Haie. Cockatoo Island müsste daher eigentlich »Cockatoo Hai-Land« heißen, tut es aber nicht. Verschreckt wohl zu viele Gäste.

 

Am nächsten Morgen schauen wir von unserem Bett aus auf den Sonnenaufgang, der sich genau über der Mitte der Harbour Bridge inszeniert. Wow!

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück und anschließender »Siesta« vor der Skyline von Sydney geht es mit diversen Fähren wieder zurück zu Sarah und Manly.

 

Es ist jetzt 32 Grad warm und auch das Wasser hat etwa 23 Grad. Also, hinein in die Fluten.

 

Das Wetter-Wombat ist tot

(Mail 3)

 

Sonnabend um elf Uhr sieht der gemeine Aussie Sarah auf ihrem Motorroller mit ihrem alten Papa auf dem Sozius durch den Großstadtdschungel von Sydney brausen. Wir sind auf dem Weg zur Autovermietung. Es ist so spät geworden, weil Tochter Sarah unbedingt noch ihren Voucher für »Canooing« und »Yoga« einlösen musste.

 

 Um zwölf durften wir uns dann endlich in Sydney gründlich verfahren. Statt durch den großen Tunnel fuhren wir doch glatt über die Harbour Bridge. Auch nicht schlecht! Es dauerte endlos lange bis wir - meistens im »Stopp and Go« - aus der Großstadt heraus waren.

Erste Station war dann das »Scarborough Hotel«, welches gar kein Hotel war, sondern ein Restaurant mit Garten und traumhaften Blick von hoch oben über den Pazifik und über die Ebene von Wollongong. Es war natürlich gerammelt voll.

Weiter ging es an der Küste nach Süden. In Shellharbour suchten wir 'ne Bleibe, aber »Ol' Man River« in der Tourist-Info besorgte uns ein Zimmer 60 Kilometer weiter in Nowra, weil hier alles voll war. Es war ja Wochenende.

Weiter ging’s über Nebenstrecken nach Jervis Bay: Tolle Bucht mit weiten Sandstränden, und schließlich durch Ulladulla - wer hat dem Ort bloß den Namen gegeben? (Je uller, je duller!) - und über Batemans Bay, wo es wegen des »e«s im Namen keine Fledermäuse gab, nach Narooma.

Hier haben wir 'ne tolle Cabin direkt an der Flussmündung des Wagonga Rivers auf dem »Narooma Easts Holiday Park«.

 

Einkaufen bei Woolworth, Bier im Liquer-Shop und auf zum Boardwalk. »Under the boardwalk« einmal rund ums Flussdelta über Stege und Wege ohne Schatten bei 28 Grad im selbigen.

Kaum sind wir wieder zu Hause in unserer Cabin, da begrüßen uns Lori und Keet, zwei »Rainbow-Lorikeets«, das sind quietschbunte kleine Papageien, etwa so groß wie Kanarienvögel und hier so häufig wie bei uns die Meisen. Lori, oder war es Keet, ließ sich von mir füttern und legte sogar vertrauensvoll sein linke Pfote auf meine Hand. Wir waren begeistert.

Abends dann Essen im »Leder-Steakhouse«. Aber der Salat meiner Frau mit Teilen vom Flattermann war in Ordnung.

 

Am nächsten Morgen: Schockschwerenot! Der Highway eins  in Victoria soll angeblich gesperrt sein, wegen Buschbränden! Also ab zur Tourist-Information! Die meinte, man könne nicht sagen, was am nächsten Tag sei, aber bis Mallacoota, gleich hinter der Grenze zwischen New South Wales und Victoria, sei es kein Problem.

Also erst einmal ab nach Mallacoota!

Wir verzichteten diesmal darauf, den langen Weg über die Küste zu nehmen, denn wir brauchten ein paar Tage Reserve, falls der Highway dicht war. Dann müssten wir nämlich einen Umweg von schlappen 1.000 Kilometern fahren. Es gibt nur noch eine weitere Strecke nach Melbourne, und die führt weit durchs Inland.

 

Mallaacoota ist ein schnuckeliger Ort am Meer, voller leicht verdreckter Camping- und Caravan-Plätzen.

Auf unserem späteren Walk durch die Umgebung hätten wir beinahe ein Riesenkänguru umgerannt. Aber das hatte nur Interesse am Grasfressen und ließ sich auch beim Fotografieren nicht stören. Ein kleineres Känguru lag bereits auf der Fahrt hierher beutelmausetot am Straßenrand; die werden hier andauernd überfahren.

Auch an einem toten Wombat sind wir vorbeigebrettert. Das muss »Willy, das Wetter-Wombat« gewesen sein, denn gegen Abend wurde es bedeckt und richtig kalt.

 

Am Morgen fuhren wir schnatternd bei 17 Grad los. Gottseidank wurde es langsam wärmer, bis 24 Grad am Mittag und die Sonne ließ sich hinter Schleierwolken blicken – und keine Buschbrände, die waren weiter nördlich.

 

In »Lakes Entrance« bezogen wir bereits mittags eine preiswerte und sehr saubere Cabin, in der auch alles funktionierte und Dutzende von Rainbow-Lorikeets einen Höllenlärm veranstalteten.

Lakes Entrance hat eine 90 Meilen lange vorgelagerte ganz schmale Düneninsel, auf die man über ein Fußgängerbrücke gelangt.

Mit Badesachen und Rucksack machen wir uns zum Strand auf. Der ist toll: Schneeweißer Sand, endlos, und kaum Leute. Im Wasser schon gar keine. es pfeift nämlich ein heftiger Wind.

Meine bessere Hälfte schlägt vor, auf dem eingezeichneten Wanderpfad durch Buschland und Dünen unseren täglichen Walk zu absolvieren, aber, für mich völlig unverständlich, nimmt sie dann doch davon Abstand, nur weil am Anfang des Pfades so ein blödes Schild freundlich darauf hinweist, dass hier die extrem giftige »Black Tiger Snake« ihr Domizil aufgeschlagen hat. »Wenn man unsicher sei, solle man doch auf der Meer- oder Landseite im Sand gehen«, verkündet ein Schild.

Meine Frau entschied, unsicher zu sein; ich wurde erst gar nicht gefragt, und wir gingen im Sand auf der Landseite und legten uns dort ein bisschen in die Sonne. Im Vertrauen: Wenn man mich denn gefragt hätte, ich wäre so 'was von unsicher gewesen, Schwarze Tigerschlangen gehören nicht unbedingt zu meinem engeren Freundeskreis.

 

Mittwochmorgen ging die Sonne groß und rot zwischen Eukalyptus-Bäumen auf, um neun Uhr war sie klein und rot. Merkwürdig!

Auf geht’s nach Melbourne!

Was macht ein alter deutscher Vater, wenn er eine günstige Unterkunft in einer Großstadt wie Melbourne sucht? Er ruft seine Tochter an!

Und – schwuppdiwupp – hatte sie eine Bleibe fast  im Zentrum für unter 100 $ gebucht. Dieses Mädchen ist unglaublich.

 

Willy, das Wetter-Wombat ist immer noch sauer, weil es überfahren wurde. Heute Nacht war es 14 Grad kalt, es soll aber noch auf 27 Grad ansteigen bei dunstiger Bewölkung, und wir wurden geweckt vom Geschrei der großen weißen Kakadus. Die Temperatur steigt, die Sonne scheint rot und schwach durch den Dunst. Über dem offenen Buschland liegt überall Nebel – dachten wir.  Aber der Nebel roch unangenehm. Dann sehen wir es: Vor uns auf dem Highway links und rechts ist auf 10 Kilometer Länge alles schwarz. Hier hat es noch vor ein paar Tagen heftige Brände gegeben, und da kaum Wind weht, steht der Qualm noch über dem Land.

Aber der Weg nach Melbourne ist frei, und vom Feuer sehen wir auch nichts.

 

In Melbourne angekommen fahren wir dreimal an unserem »Tarnkappenmotel« vorbei. Es liegt im Stadtteil St. Kilda und ist eine einzige Baustelle, aber unser Self-Contained-Zimmer ist ok.


Auf der Straße und am Strand tobt das Leben, das muss hier die »Schanze« von Melbourne sein. Abends dann ein paar Snacks an der Straßenbar und Smalltalk mit dem Kellner aus Frankreich.

 

Die apostolischen Koalas

(Mail 4)

 

Sightseeing in Melbourne war angesagt. Wir fuhren mit Seniorenticket und Straßenbahn ins Zentrum, genauer zu den Docklands.

Wer hat da eigentlich von wem abgekupfert? Hamburg mit seiner Hafencity von Melbourne oder umgekehrt?

Aber Melbourne hat in seinen Docklands zumindest ein riesiges Einkaufszentrum mit zirka tausend Geschäften und um zehn Uhr morgens genau zwei potenzielle Kunden aus dem fernen Germany; mit andern Worten: Es herrschte gähnende Leere, und wir flüchteten mit der historischen Straßenbahn ins Melbourne City Centre. Wir finden eine Einkaufspassage in einem alten Jugend-Stil Gebäude. Traumhaft schön! Dann lassen wir uns im schnellsten Aufzug der Südhalbkugel in die 88. Etage des »Eureka Skydecks« fahren, dem höchsten Wohngebäude der Welt, so behauptet der Touri-Führer, und machen etliche Fotos. Leider war es sehr dunstig, deshalb war der Südpol nicht zu sehen, nicht einmal Tasmanien und sein Teufel. Letzteres ohne Teufel soll man bei gutem Wetter angeblich wirklich sehen können.

 

 Zweiter Tag in Melbourne:

Diverse »must dos« wurden abgearbeitet, wie der »shrine of remembrance« (geschenkt), »Queen Victoria Garden« (naja), »Melbourne Museum« mit Ausstellung über die Unterdrückung und Misshandlung der australischen Ureinwohner, die von den Aborigines selbst gestaltet worden ist - sehr interessant - und schließlich der große »Queen Victoria Market«. Hier kann man wirklich superpreiswert Lebensmittel aller Art kaufen, und, last but not least, SHOPPING!

 

Sonnabendmorgen ruft Sarah an. Sie kommt eine Stunde früher am Melbourne Airport an. Wir eierten durch Melbourne, nahmen die falsche Abzweigung und kamen 15 Minuten zu spät am Flughafen an, wo wir sie dann auflasen.

Nun ging es nach Sorrento. Das liegt nicht am Golf von Sorrent, und es wird dort auch wenig italienisch palavert, sondern es liegt an der großen Port Phillip Bay am Ende einer langen Landzunge gleich am schmalen Durchlass vom Südlichen Ozean bzw. der Bass Strait nach Melbourne. Hier waren wir eingeladen bei Glennis und Kevin, den ehemaligen Arbeitgebern von Sarah, und die hatten dort ein Anwesen gemietet, dagegen macht sich, Olaf und Christine, eure Lodge ins der Hafencity wie die Hütte vom »Fischer un sin Fru« aus. Wow! Wir hatten ein Badezimmer für uns, darin konnte man tanzen.

Kevin machte den Grillmeister am Drei-Meter-Grill, Sarah hüpfte im Pool herum und Glennis bereitete leckere Snacks zu. Beide waren ganz reizend, haben Sarah und uns verwöhnt und die Umgebung gezeigt, dort, wo die ersten englischen Siedler an Land gingen und die Quarantäne-Station für die Nachfolgenden noch heute steht.

 

 Sonntagmorgen ging es mit der Fähre von Sorrento hinüber nach Queenscliff und dann auf die »Great Ocean Road«. Sarah hatte ihr iPhone mit den Radio verbunden und, während wir die berühmte Great Ocean Road entlang bretterten, hörten wir doch glatt, man glaubt es nicht, Radio Hamburg. Sarah hatte ’ne Ape, also einen Affen runtergeladen, - nee, das heißt nicht Ape sondern App.

 

Auf der Great Ocean Road mussten wir natürlich alle naslang anhalten und die tolle Aussicht auf den smaragdgrünen Ozean, die weiße Gischt und die grünen Hügel genießen und natürlich auf die Surfer, die in großer Zahl draußen auf die perfekte Welle warteten.

 

Nun sind wir in Apollo Bay und es ist gerade mal 17 Grad. Es könnte wärmer sein. Die Hausfrau macht Salat, Sarah qualmt vor der Tür und ich schreibe.

Immer wieder überfliegen uns Schwärme von den großen weißen Cockatoos (Kakadus). Die sehen, wie so manche Mädels in Hamburg, mit ihrem Federbusch auf dem Kopf bildhübsch aus, aber wehe, wenn sie den Schnabel aufmachen. Dann kommt so ein schreckliches Gekrächze heraus, reinstes Barmbek Basch, dagegen klingen sogar die Elstern bei uns wie Nachtigallen.

 

Montag ist apostolischer Koala-Tag. Er fing ganz kalt an. In Melbourne und Adelaide soll es 28 Grad werden, in Apollo Bay begann der Tag mit 14 Grad. Kälter war es nur noch in Hobart, aber da lebt ja auch der tasmanische Teufel.

Der Tag wurde immer sonniger und wir mussten aufpassen, dass wir nicht verbrannten.

 

Die Great Ocean Road hatte uns wieder, und schon beim ersten »lookout« bogen wir ab und fuhren in die Wildnis, endlos durch Eukalyptus Wälder. Irgendwann stand ein chinesisches Pärchen auf der Straße und glotzte in die Bäume: Also sofort anhalten, raus aus dem Auto! Hier muss ’was los sein!

Es war etwas los. In den Bäumen hockten Koalas und mampften Eukalyptus Blätter. Erst sahen wir zwei, dann immer mehr. Acht Koalas verteilten sich auf die umliegenden Bäume. Auch Sarah war begeistert; sie lebt ja schon seit über fünf Jahren in Australien, aber wild lebende Koalas hat auch sie noch nie gesehen. Die sind echt zum Knuddeln.

 

Weiter ging’s zum Leuchtturm am Cape Otway. Wir kletterten auf den Turm, und ein alter Aussie-Seebär erkläre uns im breitesten Aussie-Dialekt, wie alles funktionierte. Sarah musste übersetzen. Dann setzte er, extra für uns, den Dreh-Mechanismus der Kuppel in Gang. Er entschuldigte sich, dass er nicht auch noch die Lampe anzünden könne, das hatte er zuletzt vor ein paar Jahren für Touris aus Germany gemacht, und daraufhin sei ein Schiff draußen untergegangen. Daher dürfe er das nun nicht mehr, erzählte er mit einem Zwinkern.

Ein Stück weiter trafen wir in einer Hütte auf einen älteren Mann, ein irischer Aborigine,  der uns alles über die dort ausgestellten Bumerangs erzählte, wie man die werfen müsse, usw. Dann sollte ich auf dem Didgeridoo blasen, aber bekam keinen Ton heraus. Jedenfalls war er glücklich, dass er uns alles zeigen konnte und war in seinem Reden nicht zu bremsen, ein wirklich lieber Kerl.

 

Wieder auf der Great Ocean Road machten wir Halt bei den meisten lookouts und natürlich bei der berühmtesten Sehenswürdigkeit, den zwölf Aposteln; das sind Felsendome, die vor der Küste von Wellen und Erosion gebildet wurden. Nur die Aussies können nicht zählen, ich habe nur acht gesehen. Aber der tiefblaue Himmel, das türkisfarbene Wasser  und die ockergelben Felsen, das war schon beeindruckend. Auch die London Bridge war echt der Hammer, eine Felsenbrücke die 1990 ohne Vorwarnung einstürzte. Man musste die Touristen mit Helikoptern von der so entstandenen Felseninsel zurückholen.

Also die Great Ocean Road ist schon gewaltig beeindruckend.

 

 Unsere nächste Bleibe war Port Fairy. Sarah hatte schon Monate vorher hier ein Apartment für zwei Tage gebucht. Sie hatte ’mal wieder einen Voucher. Und das Apartment haute uns um: Ein Riesenwohnraum mit zwei hellen Ledersofas, Küchenzeile mit Essbar davor, großer Esstisch, zwei Schlafzimmer und Riesenbad. Dazu Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner. Sarah überrascht uns immer wieder. Sie ist auch richtig stolz, so eine tolle Unterkunft ausgesucht zu haben. Mit Recht!

 

Der nächste Morgen ist kalt aber sonnig. Unser »morning-walk« führt uns auf einen eineinhalbstündigen Rundgang über Griffith Island, wo wir von Wallabies, das sind kleine Kängurus, von maximal einem Meter Größe, bestaunt werden.

Dann marschierten wir nach einer ausgiebigen Siesta nachmittags an den Strand und ab in die türkisblauen Fluten. Es wehte ein kalter Wind und die Sonne brannte unbarmherzig.

Hier in Port Fairy gibt es auch ein Micro-Internet-Café, doch da geht gar nichts. Außer der Münzschlucker, der nach zwei-Dollar-Münzen gierte. Also diktiere ich Sarah den ganzen Text, den sie in einem Affenzahn in ihr Handy, was hier mobile heißt, eingibt.

 

Das Koala-Leben, das Universum und der ganze Rest

(Mail 5)

 

Die Touri-Info-Tante hat Sarah ein Ohr abgesabbelt, wo wir überall hin müssen. Wir sind in Portland am westlichen Ende der »Shipwreck-Coast«. Hier liegen so viele Schiffswracks vor der Küste, dass auf dem Meeresboden kaum noch Platz ist. Deshalb hat auch jedes Kaff einen oder mehrere Leuchttürme.

Portland hat einen davon am Cape Nelson, da müssen wir unbedingt hin, so die nette Maid von Tourist-Info, und noch unbedingter  vorher einen Fußmarsch durch den Zauberwald machen.

Wir klettern eine Dreiviertelstunde treppauf, treppab, bergauf und bergab durch den dichten Urwald, und Ulli befürchtet, dass eine der vielen herumhängenden Lianen sich als die Schlange Ka entpuppt, die aus dem Dschungelbuch. Aber wir trafen weder auf Ka noch auf irgendwelche Zauberer, sondern auf Kurti, den Koala, der offenbar die Mauer vom Leuchtturmwärterhaus mit einem Eukalyptusstamm verwechselt hatte. Dort drehte er den knipsenden Touristen den Hintern zu und meditierte über das Koala-Leben, das Universum und den ganzen Rest, und das auf der Mauer, auf der Lauer ...

Dann mussten wir natürlich am langgezogenen Shelly-Beach (schon wieder) vorbei zu den »Blowholes« und dem »Petrified Forest«. Ich hielt lehrerhaft nervige Vorträge darüber, wie so ein Wald versteinert, bis Sarah trocken bemerkte, dass das mit dem versteinerten Wald Beschiss sei, denn auf einer Tafel stand, dass es nur so aussehe, wie ein versteinerter Wald, in Wirklichkeit seien die steinernen Baumstämme und -Stümpfe durch Wasser und Kalkstein entstanden. Die blowholes sahen wir dann nicht mehr, denn es find sowas von an zu regnen, und bis zum Abend in Robe, auf halber Strecke nach Adelaide gab es immer wieder heftige Güsse. Hier stellten wir erst einmal die Klimaanlage in unserer Cabin  auf volle Heizpower, denn es war kälter als in Sydney im Winter.

 

Ach ja, wir sind inzwischen in South Australia, und die Überschreitung der Grenze zwischen Victoria und South Australia war schon sehr skurril. Wir mussten all unsere leckeren  frischen Gemüse- und Obstsorten in einen großen Container werfen, die könnten ja kontaminiert sein, was sie natürlich so lange nicht waren, bis sie im Container an der Grenze auf all den fauligen Sachen der Leute vor uns landeten. Außerdem mussten wir die Zeit umstellen, und zwar um einen HALBE Stunde. Die spinnen, die South-Aussies (gesprochen: Ossies, - na klar!)

 

Murray Bridge, ca. 50 Kilometer vor Adelaide wurde von einer Plage heimgesucht. Diesmal waren es nicht zwei alte und einen junge Deutsche, sondern Hunderte von kleinen weißen Kakadus, die »Little Correllas« heißen. Wiesen und Bäume in den Parks von Murray Bridge  waren weiß vor Vögeln, deren Augen rotumrandet waren. Kein Wunder, die schlafen nachts zu wenig und feiern zu lange Party. Vom Krach der Little Correllas abgesehen, war Murray Bridge eher langweilig, und wir fuhren eilig weiter nach Deutschland, genauer nach Hahndorf. Hier haben die ersten deutschen Siedler ihren Wein unter die Leute gebracht, und es gibt »Mettwurst«, die nach Länge in inch, yard oder foot verkauft wird, ein »Kaffeehaus«, Holzfiguren aus dem australischen Erzgebirge, wo immer das liegt, und auf der Tafel der Pioniere von 1839 standen Namen wie Wudke, Bartels, Nietsche und Schmidt. Alles sah dort deutsch aus, sogar das Wetter war aprilmäßig deutsch: Schauer und Sonne wechselten ständig ab und ein Schild am Eingang zu unserem »accomodation-ground« warnte vor freilaufenden Kindern und Enten.

 

Adelaide! Sarah hat ’ne leicht schäbige, aber extrem billige Bleibe über ihr mobile gebucht. Wir können unser Auto schon morgens auf dem Lodge-eigenen Parkplatz abstellen und warten auf den kostenlosen Bus, der uns durch Nord-Adelaide und durchs Zentrum bringt.

In der Mall steigen wir aus, und Ulli sitzt gefühlte sechs Stunden auf einer Männer-Abstellbank in der Fußgängerzone während Frau und Sarah shoppen.

 

Dann geht's mit dem Auto zu dem schönsten Strand von South Australia, so der Adelaider Reiseführer, in Glenelg und dann zum Flughafen, Sarah muss zurück nach Sydney. Schnief! Nun müssen wir wieder allein zurechtkommen. Aber die Überfahrt nach Känguru-Island und zwei Nächte dort hat sie noch für uns gebucht. Sie macht alles mit ihrem mobile (Handy). Das einzige, was sie mit ihrem mobile nicht kann, ist Kaffeekochen, aber auch das ist nur noch eine Frage der Zeit.

 

Heute waren wir am Mündungsdelta vom Murray River, Australiens längstem Fluss, und sind auf dem Sperrwerk spazieren gegangen, das verhindert, dass der Fluss einfach leer läuft. Sah ziemlich hässlich aus. Da aber offenbar Seehunde kein ästhetischen Empfinden haben, tummelten sie sich dort zu Hauf auf der Meerseite, und ein etwas dusseliger Pelikan, das ist der mit der Schreibfeder, ließ sich doch glatt von einer frechen Möwe Fische aus seinem Kehlsack klauen.

In die Dünen zur Meerseite sind wir dann nur ein kurzes Stück gegangen, denn die Touri-Maid meinte, heute müssten wir nicht so unbedingt aufpassen, es sei zu kalt für die Schlangen. Doch wir haben es nicht so mit Schlangen und sind lieber umgekehrt.

Wie kommen eigentlich die Kängurus nach Känguru-Island?

 

Die Überfahrt mit der Autofähre dauerte eine Dreiviertelstunde und die war teuer. Das kann kein Känguru bezahlen.

Wir konnten das und sitzen daher jetzt bei offener Tür »in the middle of nowhere« und glauben, wir sind im Zoo. Vor der Tür ist ein Höllenlärm, der aber abrupt aufhört, als es dunkel wurde. Wir haben Seelöwen herumbrüllend beobachtet und die New-Zealand-Seals dazu gelangweilt ihre Flossen aus dem Wasser stecken sehen. Wir haben aber kein einziges wildlebendes Känguru oder Wallaby gesehen, nur jede Menge tote am Straßenrand und welche hinter schwedischen Gardinen im »Wildlife-Park«.

Und dann wollte doch glatt so ein Mittelding zwischen Mini-Waran und Fukushima-Eidechse uns dazu benutzen, Selbstmord zu begehen. Es lag mitten auf der Straße, reckte seinen Vorderkörper hoch, was vermutlich heißen soll: »Los! Überfahrt mich!«

Haben wir natürlich nicht gemacht, obwohl wir es verstehen konnten, denn etliche seiner Kumpel lagen auf der gesamten Strecke schon tot am Straßenrand. Der litt sicher unter großer Einsamkeit und Trauer, Wir haben angehalten, die Warnblinkanlage eingeschaltet, und schon fuhren drei entgegenkommende Laster um ihn herum. Dann haben wir ihn mit einer Verwarnung ins Gebüsch gescheucht.

 

Die höchste Erhebung von Känguru-Island, der »Prospect Hill«, war mit seinen 198 Stufen unsere Morgengymnastik. Auch hier trieb sich, laut einer Tafel, die »Black Tiger Snake« herum, aber wir lasen, dass sie bis zu zwei Meter lang werden kann und daher kaum zu übersehen ist. Man muss also schon ziemlich dusselig sein, der auf den Schwanz zu treten und darf sich dann nicht wundern, wenn sie einen angiftet.

 

Also, Känguru-Island ist nicht schlecht, aber es lohnt den Preis für die teure Überfahrt nicht, es sei denn, man findet australische Dollars so hässlich, dass man sie unbedingt loswerden will.

 

Am Montag hatte Sarah unsere Fähre schon um halb neun gebucht. Wir mussten also früh auf und dem großen Känguru-Gott Abbitte leisten. Es gab doch wild lebende Kängurus. Auf der Fahrt zur Fähre waren Herden von Kängurus links und rechts der Straße am Mampfen.

 

Nach einem sonnigen, aber relativ kalten Tag (22 Grad) auf Känguru-Island wurde es nun auf der Fahrt durchs Binnenland immer wärmer, und bei 33 Grad am frühen Nachmittag stürzten wir uns in den künstlichen Badesee von Naracoorte, hundert Meter neben unserer Lodge auf dem »Naracoorte Holiday Park«.

Auf Grund der Tatsache, dass in Naracoorte eigentlich der Dingo begraben ist, es liegt mitten im Nowhere, ab von der Küste, haben die sich richtig Mühe gegeben. Der Ort ist schnuckelig hergerichtet, alles ist sehr gepflegt, überall saftiger Rasen, auf dem man wie auf einem Hochflorteppich geht, ununterbrochen laufen die Rasensprenger, die allerdings den Rasen nicht in die Luft sprengen, sondern bewässern. Wirklich ein blödes deutsches Wort: »Rasensprengen«.

 

Übrigens, inzwischen wissen wir, dass der Selbstmord-Kandidat auf Känguru-Island »Rosenberg’s Goanna« heißt. Der muss bayrische Wurzeln haben, bei denen wird der Nachname ja vorangestellt, wie der Huber Sepp, die Moosbauer Resi, so auch der Rosenberg Goanna.

 

Dienstag der 25.Februar: Wir sind in die Berge gefahren, genauer in den »Grampians National Park« und in einem schnuckeligen Ort namens »Halls Gap« auf dem »Grampians Parkgate Resort« gelandet. Wir haben ein richtiges Häuschen mit großem Wohnraum, raumhohen Fenstern, Küche mit zweitem Eingang und Carport. Alles vom Feinsten für 90 Dollars. Hier bleiben wir noch einen Nacht, so schön ist es. Es ist 28 Grad warm und der Pool hatte mit 24 Grad Ullis Wohlfühltemperatur. Nur, der gelbgrüne Rasen vor unserer Tür ist gesprenkelt mit Wallaby-Ködeln. Die scheinen hier nachts Party zu feiern. Das kann ja heiter werden.

 

Es waren gar keine Wallaby-Ködel, sondern die von den großen grauen Kängurus, den zweitgrößten Australiens, die trieben sich nämlich zu Hauf morgens auf dem »campingground«  zwischen den Caravans herum, recht weit weg von unserer Lodge, und ästen so vor sich hin, trugen Boxkämpfe aus oder machten große Sprünge gemäß der alten Känguru-Wallstreet-Weisheit »mit leerem Beutel lassen sich die größten Sprünge machen«.

Dann fuhren wir in die Berge, erst zum »Reed-Lookout« und dann zum »Balcony«, da fahren alle Deutschen hin, so die Tourismus-Office-Maid, und dann zum »Wonderland Carpark«, wo es zum Penökel ging. Auf dem Weg standen zwei Kängurus am Straßenrand, aber da sie den Daumen nicht hoch hatten, haben wir sie nicht mitgenommen

Der Penökel heißt eigentlich »The Pinnacle« und war eine zweistündige  Klettertour erst durch den »Grand Canyon« und dann über Felsen, Platten und Stufen endlos bergauf. Das ging schon an unsere Grenzen. Die Aussicht dann war natürlich toll, aber jetzt sitzen wir völlig fertig in unserer Lodge und strecken alle Viere von uns, während oben hinter den sieben Bergen, gleich hinterm »Balcony« der Wald gerade gebrannt hat. Man konnte daher auch nicht weiterfahren. Nach Nordwesten war alles dicht.

 

Am Morgen unsrer Abreise von Halls Gap wurden wir von Kängurus belagert. Vierzehn große graue Kängurus machten sich auf der Wiese genau vor unserer Küchentür breit und sorgten für kurzen Rasenschnitt. Wir waren natürlich hin und futsch.

Wenn sie sich auf dem Rasen bewegen, könnte man meinen, sie seien behindert, denn es sieht aus, als würden sie an Krücken gehen, mit den kurzen Vorderfüßen als Krücken. Schon sehr witzig. Wenn sie es aber eilig haben, nehmen sie als erstes  die gelbe Binde mit den drei schwarzen Punkten ab und dann geht es mit Riesensprüngen los.

 

Nun sind wir schon wieder auf einem Eiland, genauer auf Philipp Island, bereits wieder südöstlich von Melbourne.

Und hier kann ich an den Office-eigenen Computer.

East of Eden

(Mail 6)

 

Donnerstagabend gab’s Schwertfisch von Woolworth. Bevor ihr jetzt alle in Ohnmacht fallt muss ich erklären, dass Woolworth hier so etwas ist wie Intermarché in Frankreich oder famila bei uns ist, und die hatten eine hervorragende Frischfisch-Abteilung. Der Fisch war absolut spitze, obwohl ohne Schwert.

 

Der Wetterfrosch sagt für Sydney und New South Wales  Donnersturm und Regen voraus, da bleiben wir doch lieber noch einen Tag auf Phillip Island, denn hier scheint die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel. Also auf zur Inselrundfahrt und zu den Stränden, einer schöner als der andere. An manchen Stellen ist das Wasser voller schwarzer Punkte, hier hocken die Surfer zu Hunderten im Wasser und warten auf die eine richtige Welle oder den anderen falschen Hai.

Auch wir hocken am Nachmittag im Ozean, aber auf der Leeseite der Insel, wo der kalte Wind nicht weht und das Wasser muggelig warm ist. Später haben wir dann noch auf unserem Walk durch den Mangrovenwald zwei kleine, fast schwarze Wallabies erschreckt, aber sonst war unter dem knallblauen, wolkenlosen Himmel von Phillip Island nichts Besonderes zu berichten.

Ach ja! Abends sind wir essen gegangen - die australische Gourmetplatte: »Fish and chips« und »chicken wings«.

 

Der Kreis hat sich geschlossen; wir sind wieder in Lakes Entrance gelandet, wo wir schon auf der Herfahrt übernachteten, und den ganzen Tag schien die Sonne vom stahlblauen Himmel. Weil aber der Südpolarstrom sein kaltes Wasser an die Küste von Victoria schaufelt, ist es nur 24 Grad warm und nachts kühlt es auf 12 bis 14 Grad ab. Trotzdem herrschte hinter der Düne (dort, wo die Black Tiger Snake haust) am Meer reges Bade- und Strandtreiben bei tollem Wellengang. Der kilometerlange Strand war fast schon überfüllt, ich zählte  mindestens 50 Leute, und die Hälfte davon waren Chinesen, die mit ihrer Knips-Manie inzwischen die Japaner abgelöst haben.

Der gemeine Chinese lichtet seine weniger gemeine Chinesin in jeder Lage ab: Linker Arm hoch, rechter Arm hoch, mit Welle im Hintergrund,, mit Himmel, mit Wasser, mit Life-Guard, beide Füße in der Luft, ein Fuß in der Luft, kein Fuß in der Luft und am Ende bittet er einen dumm herumsitzenden Deutschen, Chinese und Chinesin gemeinsam abzubilden.

 

Das Wetter spielt verrückt. In der Nacht und morgens gießt es wie aus Eimern, auch auf der Fahrt nach Norden. Pünktlich um halb elf kam dann aber die Sonne heraus, und gegen Mittag waren wir nicht »East of Eden«, wie es John Steinbeck sicher gern gehabt hätte, auch nicht »Jenseits von Eden«, wie irgendein deutscher Schlagerfuzzi einst gejammert hatte, sondern »North of Eden«, will sagen: Unsere schicke Bleibe auf dem Holiday Park liegt am nördlichen Ende von EDEN-Town, mit dem Eden Country Club, dem Eden Whale Festival, der Eden Fishing Competition, dem Eden Killer Whale Museum, - das heißt wirklich so, jeder anständige Orca wäre beleidigt, wenn man ihn als Killer-Wal bezeichnen würde, -  und natürlich dem »Garten Eden«, aber das ist ein Caravan-Park, der nicht einmal einen Apfelbaum hat, in welchem die Black Tiger Snake (schon wieder) hockt und darauf wartet, einer leichtgläubigen nackten Maid den Apfel vom Baum der Erkenntnis andrehen zu können.

Wir sind so früh da, dass wir nach der Besichtigung des Paradieses noch Zeit für eine Bade- und Strandpause am Cocora Beach haben, wo es wenig Wellen und noch weniger Haie gibt, was meiner Frau sehr entgegenkommt.

Wir haben vor, hier noch einen Tag länger zu bleiben - wer will sich nicht gern länger im Garten Eden aufhalten, aber gegen Abend ziehen Wolken auf. Wir werden es davon abhängig machen, wie am kommenden Tag das Wetter ist.

 

In fast jedem Ort, in dem wir bisher übernachteten, machen die Vögel andere und für uns sehr fremdartige Geräusche. Hier in Eden ist ein ständiger Geräuschpegel von kleinen Vögeln, so ein Mittelding zwischen europäischer Drossel und Fitis, der an das Klappern von Stahltauen an den Masten von Schiffen in einer Marina erinnert, nur lauter und melodischer. Es ist völlig anders als alles, was wir bisher gehört haben.

 

Der nächste Morgen ist wieder sonnig mit ein paar Wolken, und morgens geht es auf den »board-walk« um den See mit Zugang zum Meer. Auf dem Wasser treiben sich Hunderte von riesigen Pelikanen herum.

Was machen die hier? Dann sehen wir es. Das Wasser ist dermaßen voller kleiner zirka. zehn Zentimeter langer Fische, dass es überall Wirbel gibt, also das Schlaraffenland für Pelikane.

Nachmittags erneut Baden im Meer. Es ist hier wirklich traumhaft schön.

Nachts schlafen Agenten

(Mail 7)

 

Also, eines wird langsam lästig: Das Einschmieren mit Sonnencreme jeden Morgen. Das ist hier im Aussieland ein absolutes »must do«. Da werdet ihr im »sonnenverwöhnten« Deutschland natürlich sagen: »Wenn ihr sonst keine Sorgen habt ...!«

Der Dienstag, 4. März, beginnt mit knallblauem Himmel und Lärm der »Glockenvögel«, und wir verlassen den Garten Eden Richtung Batemans Bay.

Dort war es sehr schön, aber teuer, also sind wir an der Küste wieder zurückgefahren, um eine billigere Bleibe zu finden. Die fanden wir dann auch auf dem Big4-Holiday-Park in Broulee, zwanzig Kilometer südlich von Batemans Bay. Das hört sich sehr französisch gebraten an, ist es aber nicht.

Am weiten Strand vor dem Caravan Park tummeln sich Unmengen von drei Surfern. Dann gibt es noch sechs Leute und fünf Autos auf dem Carpark, ansonsten ist der sechs Kilometer lange Strand leer. Baden sieht man niemanden, also traue ich mich nicht, könnte ja von einem Hai angeknabbert werden.

 

Am späten Nachmittag bin ich dann doch in die Wellen gegangen. Die Anzahl der Surfer hatte sich inzwischen auf fünf erhöht, und ein paar Leutchen badeten. Es geht hier so flach hinein, dass jeder  gesunde Hai Platzangst bekommen würde.

Um ehrlich zu sein: Haie sind hier etwa so selten wie lila Kühe in Deutschland.

 

Das Wetter ist toll, 28 Grad, also noch ein Tag in Broulee!

Geweckt werden wir von einer Horde Papageien, die herumkreischen, dass man meint, man wäre im Dschungel, unter anderem Rainbow-Lorikeets und solche, die noch ganz grün sind, die sind noch nicht reif, die wollen erst rot oder blau werden.

Morgens geht’s an den Strand und Ulli taucht in die Wellen zwischen den drei Surfern ein. Dann marschieren wir zur nächsten Bucht, dort sind keine Wellen, aber fünf Leute, zwei Möwen und in der Ferne eine Truppe Kormorane; von den fünf Leuten sind zwei im Wasser, das sind wir, denn eine einsame Bucht fast ohne Wellen, das ist Isos Ding. Da geht sogar sie in den Ozean, der hier »Tasman Sea« heisst.

 

Wir sind immer wieder fasziniert davon, wie viele Traumstrände und wie wenig Menschen es hier gibt. Es liegt natürlich auch daran, dass die Saison zu Ende gegangen ist. Die Sommerferien im Aussieland endeten am 31. Januar.

 

Am frühen Nachmittag zog ein Gewitter auf. Es rumste so heftig, dass es den Papageien und Kakadus glatt die Sprache verschlagen hatte.

Wir nutzen die Zeit, nach Batemans Bay in die große Einkaufs-Mall zu fahren und versorgen uns mit Lebensmittel und meine Frau mit einem Rock, der auch mir ausnehmend gut gefällt.

 

Weiter geht’s Richtung Sydney. Wir machen einen Abstecher in die Berge nach Känguru Valley. Dort allerdings ist nicht nur der Hund begraben, sondern alles, was hier vier Beine hat, Wombats, Kängurus, Dingos und Koalas. Außerdem ist es bedeckt, aber warm.

Wir besichtigen noch eine der ältesten Brücken Australiens, errichtet 1898, die über den Känguru-River einen abhängt, also eine Hängebrücke, und fahren dann durch die Bergwildnis auf einer kleinen Straße in tausend Serpentinen zurück ans Meer, genauer nach Kiama, wo die Tasman Sea ihren Blow-Job tut, nämlich beim »Kiama Blowhole«, wo das Wasser wie eine Fontäne aus einem Felsloch spritzt.

Hier ist an diesem Wochenende der tasmanische Teufel los beim »Kiama Jazz and Blues Festival«, deswegen ist auch die Übernachtung von Freitag auf Sonnabend richtig teuer, von Donnerstag auf Freitag ging gerade noch so. Aber der Holiday Park ist malerisch an einer Bucht mit herrlichem Sandstrand gelegen, zum Wasser sind es von unserer Cabin 50 Meter und zum Pool mit Spa (und Edeka) und künstlichem Wasserfall auch.

Auch Agenten sind hier gern gesehen, wenn sie denn »undercover« arbeiten, es gibt extra für sie eine »Undercover Barbecue Area«, geöffnet von 8.00 a.m. bis 9.30 p.m.. Nachts machen Agenten kein BBQ.

Eine weitere Besonderheit ist hier, dass es Handybäume gibt.  Denn aus allen Bäumen kommen Klingeltöne zu uns herab. Beim genaueren Hinhören stellt man allerdings fest, dass es wohl Papageien und Kakadus sind, die sich in allen denkbaren Klingeltönen verständigen.

 

Freitags machen wir einen kurzen Walk an der Mündung des Minnamurra Rivers. Wir hatten von oben einen traumhaften Blick auf die Mündung mit ganz vielen Sandbänken und türkisblauem Wasser. Darüber der knallblaue Himmel und im Hintergrund die Mangrovenwälder. Toll!

Dann bin ich noch schnell im Meer herumgeschwommen, denn nachmittags sollen Wolken aufkommen und die Regenwahrscheinlichkeit sich von minus fünfzig auf plus dreißig Prozent erhöhen.

 

Abends spielten Johnny Hill und Rex Goh, australische Rhythm-and-Blues-Legenden für uns auf. Wir waren in der »Blue Diamond Bar und Bistro«, lauschten ihrer tollen Musik und quatschten mit Jeff und Angela über Gott und die Welt. Sie besitzt ein Café, in welchem dann Sonnabend Mittag aufgespielt wird, und er ist Professor für Mathe an der Uni.

 

Nun haben wir uns durch den grässlichen Großstadtverkehr von Sydney gewühlt und sind wieder bei Sarah in Manly und haben unser Bad im Ozean hinter uns.


Morgen geht’s nach Phuket, zu den Thai-Maiden (und -Männer) zum einwöchigen Relaxen.

 

Der frühe Vogel fängt den Wurm

(Mail 8)

 

Der Neun-Stunden-Flug von Sydney nach Bangkok war easy. Aber den Anschlussflug nach Phuket zu kriegen, war heavy. Der Knabe vom Infostand am Airport hatte keine Ahnung, aber wusste genau, wo er uns hinschicken musste, damit wir den »connection-flight« nicht kriegten. Wir also einen halben Kilometer auf Laufbändern wieder zurück, durch die Einwanderungsbehörde hindurch, dessen Meister uns zwei Finger zeigte, was bedeuten sollte, draußen bitte zwei Stockwerke hoch und neu einchecken. Das Gepäck wurde allerdings von Sydney aus schon weitergeleitet. Der nächste Infomensch zeigte uns aber vier Finger für vier Stockwerke, Es dauerte bis wir mitbekamen, dass beide das Gleiche meinten. Der eine meinte zwei Etagen höher, wir befanden uns bereits in der 2. Etage. Der andere deutete an, dass der check-in in der vierten Etage sei, also vier Finger.

 

Völlig abgehetzt und durchgeschwitzt, es waren 36 Grad, kamen wir  gerade noch rechtzeitig an, um dann eine Stunde später in Phuket unsere Koffer nicht zu finden. Als das Kofferband leer war meinte ein freundlicher Typ, wir sollten eine Halle weiter gehen, da sei das Gepäck für internationale Flüge am Band zwei. Da stand zwar Gepäck rum, aber nicht unser. Wir zur Gepäckreklamation. Die konnte unser Gepäckticket nicht lesen, das sei zu ungewöhnlich, aber telefonierte erst einmal. Dann meinte sie, wir sollten doch mal bei Band 4 nachschauen. Und siehe da: Da standen einsam und allein unsere Koffer.

Dann sahen wir auch das Pappschild mit unseren Namen und trafen den Fahrer, der uns auf die einstündige Fahrt vom Flughafen zum Hotel brachte, die zwei Stunden dauerte.

Es herrschte ein unglaubliches Verkehrschaos. Unser Fahrer gehörte allerdings zu der vorsichten Sorte - für Thai-Verhältnisse. Nach deutschen Maßstäben hätte er auf einem Kilometer Fahrt mindestens 50 Verkehrsverstöße begangen. Dazu zählten als die harmloseren, ständig die Spur zu wechseln, die es eigentlich gar nicht gab, jeden zweiten der unzähligen Scooter-Fahrern samt Beifahrer abzudrängen, links (in Thailand herrscht Linksverkehr) mit zwei Rädern auf dem Gehweg zu überholen und jede Kurve zu schneiden. Also, alles in Allem ein sehr besonnener Fahrer.

 

Um halb neun abends im Hotel reichte man uns aufgeschnittenen Kokosnüsse mit einem eiskalten Getränk drin. Sehr lecker!

Unser Bungalow dann ein Traum: Drei-Meter-Kingsize-Bett, großes Marmorbad und viel Platz.

Die Hotelanlage liegt an einem steilen Hang, man muss also, um etwa zur Lobby, zum Pool oder Restaurant zu kommen immer hunderte von Stufen bewältigen. Zum Teil gibt es einen Weg, auf dem ein Buggy unsere Koffer und uns zum Bungalow brachte. Über die letzten dreißig Stufen schulterten zwei junge Thais das Gepäck.

 

Der nächste Morgen begrüßte uns mit einem traumhaften Blick von unserer Terrasse über die weite Bucht und das smaragdgrüne Meer.

 

Den Vormittag verbringen wir  unter Palmen und anderen exotischen Bäumen im oberen Pool, von dem das Wasser über einen Wasserfall zehn Meter in den zweiten Pool weiter unten läuft.

An der Palme über mir  hängt eine einsame Kokosnuss, die nur darauf wartet, beim nächsten Windstoß mir auf den Kopf zu fallen. Ich rücke lieber ein Stück zur Seite, was allerdings reichlich anstrengend ist bei 35 bis 38 Grad im Schatten.

Wir wollten nachmittags einen kleinen Marsch zum Karon-Beach machen, eine Viertelstunde, aber der Weg geht zum Teil in praller Sonne, ein absolutes "No Go", im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Abends sind wir mit dem Taxi zum Karon-Beach zum Essen gefahren, zehn Minuten, und zurück dann mit dem »TukTuk«. Das ist ein offener Minibus mit Dach für etwa acht Personen oder 20 Thais, der mit lautem Geknatter und oft auch Musik durch die Gegend fährt. Man konnte gar nicht verstehen, dass wir, anstatt mit dem klimatisierten Taxi, mit so einem TukTuk fahren wollten, aber scheuchte blitzschnell 10 Thais raus, die darin Karten gespielt hatten, um Platz für uns beide zu schaffen. Dann ging es mit lautem Geknatter und Getöse den Berg hoch zu unserer Anlage.

 

»Der frühe Vogel fängt den Wurm«, alte Sarah-Kammigan-Weisheit. Deshalb sind wir um halb acht morgens vor dem Frühstück auf den Viertelstundenmarsch durch die Wildnis am Hang zum Karon Beach getrabt. Der Walk dauerte jedoch nur fünf Minuten, und Ulli stürzte sich in die 28 Grad warmen Fluten, ohne auch nur einen einzigen Wurm zu fangen. Vielleicht gilt ja eher die Ulli-Kammigan-Weisheit, die da lautet: »Vögel, die früh singen, frisst abends die Katze«.

Aber Sarah hat uns verdorben. Wir haben uns wirklich angewöhnt, früh aufzustehen und früh ins Bett zu gehen.

 

Nun liegen wir wieder am Pool, diesmal am unteren. Vor uns rauscht der künstliche Wasserfall und unter uns die Brandung an den Klippen. Das Leben ist wirklich eines der schwersten, bei solchem Lärm!

 

Und dann gab es am Pool eine merkwürdige Begebenheit. Es tauchten zwei Typen auf. Er sah aus wie ein Zuhälter und sie sah nicht nur aus wie eine Barbie Puppe, sie war eine: Superblond und dürre!

Irgendwann war ihr Ken gerade nicht da, da wehte ein Windstoß ihren Sonnenschirm in den Pool.

Ich holte ihn wieder raus und fragte, ob ich ihn wieder aufspannen sollte.

Und stellt euch vor, sie sagte auf Englisch so etwas wie »lieber nicht«. Die Barbiepuppe konnte sprechen! Was technisch heute alles möglich ist! Unglaublich!

Mit Ko Tapu auf du und du

(Mail 9)

 

Der Tag war riesig. Womit fange ich an?

Mit »Ko Phing Kan« und »Ko Tapu«? Kennt kein Mensch, oder?

Und wenn ich sage »Christopher Lee«, bekannter Dracula Darsteller, aber hier hieß er Scaramanga? Oder Roger Moore, dämmert’s dann? Vielleicht James Bond gegen Scaramanga, den »Mann mit dem goldenen Colt«? Zumindest Bond-Fans wissen nun, wo wir waren.

Nur da, wo die damalige (1974) Bond-Gespielin sich am Strand räkelte und Scaramanga mit einem Diamantenlaser auf dem »Pilzfelsen« namens Ko Tapu die Welt zerstören und mit seinem goldenen Colt James Bond den Garaus machen wollte, war nichts mehr mit »räkeln«, der Strand war besetzt von Andenkenshops und chinesischen Touristen.

 

Doch ich fange besser von vorn an.

Ein Van holte ein finnisches Pärchen und uns ab und brachte uns nach einer einstündigen Fahrt zu einer deutschsprachigen Tour auf einer richtigen chinesischen Dschunke, die »June Bathra II«, durch die Märchenwelt aus Inselbergen der »Phang Nga Bay«. Wir waren siebzehn und die Dschunke noch richtig aus Holz, hatte aber die roten Segel leider nicht gesetzt. Später, weiter draußen, setzte sie sie dann doch, aber im Wesentlichen nur zum Fotoshooting.

Dann ging es durch die Andamanen See, und die ersten Inselberge tauchten auf. Es sah aus, als ob in der Ferne Gewitterwolken aufzogen. Die runden pilzförmigen Felsen überall waren schon ein gewaltiger Anblick.

»Jetzt fehlt nur noch«, so meinte ich zu einem Mitreisenden aus der Haseldorfer Marsch, »dass Delfine auftauchen und das Boot begleiten, das wäre das I-Tüpfelchen.«

Das wiederum muss ein Delfin gehört haben, er tauchte neben uns auf und schwamm eine ganze Weile am Schiffsbug mit der Dschunke um die Wette. Ab und zu legte er sich auf die Seite und, ihr glaubt es nicht, schielte nach oben, ob wir ihn denn auch alle sehen und fotografieren. Also ein eitler Delfin.

Da war natürlich ein Hallo an Bord.

Später stiegen wir auf ein kleines Langboot um mit einem Motor und dem Propeller an einer langen Stange. Das brachte uns zuerst zur »Ko Phing Kan«, der »James-Bond-Insel« und dann durch Mangrovenwälder nach »Ko Pungyii«, das Gipsy-Dorf auf Stelzen, wo sich vor 200 Jahren moslemische Flüchtlingsfamilien aus Indonesien ansiedelten und, angelehnt an eine winzige Insel, mitten im Meer von dem lebten, was das Meer hergab.

Am Nachmittag, nach einem leckeren Buffet auf dem Schiff, war Schwimmen angesagt, mitten in der Andamanensee.

Der Sprung von der Dschunke ins Wasser war ein Schock. Da muss kurz vorher eine Delfinschule vorbeigekommen sein und ins Wasser gepinkelt haben, so warm war es.

 

Die letzten vier Tage sind zum Relaxen: VOR dem Frühstück runter zum Strand und im Meer schwimmen. Tagsüber am Pool abhängen unter einem riesigen Gummibaum und abends mit dem Taxi nach Karon Beach oder Patong Beach und für fünf Euro pro Person essen und trinken. Zurück dann mit dem TukTuk, am liebsten mit einem »Party-TukTuk«, bei dem aus großen Lautsprechern, die in allen Farben blinken, die volle Musikdröhnung kommt.

 

Zurück in unseren Centara Villas ist das Personal von der hier grassierenden »Thaiheimer-Krankheit« befallen. Es vergisst fast alles, und Barbie spricht sogar deutsch, aber nur, wenn man auf den rechten Nippel vorn an der Brust drückt, der linke ist für Englisch.

 

Zum Schluss noch etwas Kritisches:

Unsere Anlage ist wunderschön, und es wird alles, was man so sehen kann, sauber gehalten. Aber bei einem längeren Strandspaziergang haben wir Unmengen von Müll gesehen, der überall herumliegt, am Strand und auch im Wasser, aber besonders in den Gräben: Plastikteile noch und nöcher.

Außerdem ist es ein Unding für ein internationales Hotel, Personal einzustellen, das ständig Kontakt mit Gästen hat und das kaum Englisch spricht. Das liegt sicher daran, dass man wohl Kosten sparen will und schlecht oder gar nicht ausgebildete Leute zu Billiglöhnen einstellt. Schuld daran haben aber auch die Pauschaltouristen, die alles nur »billig, billig« haben wollen und die großen Reiseveranstalter, die die Preise drücken.

 

Nun sind wir wieder im Dubai-Airport und warten auf den Flug nach Hamburg.

© Ulli Kammigan, März 2014

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