Kykladen - Griechenland      

10. bis 23. September 2014


Ich bin ein Junge von Piräus und liebe den Hafen, die Schiffe und das Määrr ...

 

Piräus! Es war eine kleine Zitterpartie hierher. Die Lufthansa sollte in München bestreikt werden. Und mit welcher Fluglinie flogen wir? Mit Lufthansa natürlich! Und wo machten wir Zwischenstopp? In München natürlich. Da konnten wir nur hoffen, dass die Piloten jenseits der Weißwurstgrenze nach der mitteleuropäischen Zeit leben, wovon man in Bayern ja nicht unbedingt ausgehen kann, denn wir flogen um neun Uhr weiter und ab zehn wurde gestreikt. Wir kamen also rechtzeitig weg und hatten nur noch die eine Sorge, dass unser Pilot um Punkt zehn so 10.000 Meter über Serbien mit umgeschnalltem Fallschirm möglicherweise sein Cockpit verlassen könnte, um uns mitzuteilen, dass er jetzt streiken würde und wir allein weiterfliegen sollten. Tat er aber nicht. Folglich sind wir um Punkt zwölf griechischer Zeit, die Gottseidank nicht in Bayern gilt, in Athen gelandet und haben mit unserer Aura das Kofferband zum Stillstand gebracht. Ich hatte gerade meinen Koffer als einer der ersten vom Band gezogen, als nichts mehr ging. Das Band machte Mittagspause, über eine halbe Stunde. Dann kam die Durchsage, dass die Passagiere vom Flug LH 1750 aus München ein Band weiter gehen sollten, dort würden die Lufthansa-Koffer zwischen denen aus Stockholm ankommen. Alles strömte also ein Band weiter, auch wir mit unserer Aura, was bewirkte, dass das erste Band seine Mittagspause beendete und die restlichen Münchner und Isos Hamburger Koffer ausspukte. Alles strömte wieder zurück.

Der Rest war dann easy. Nach 20 Minuten fuhr der Bus nach Piräus vor und der Fahrer hielt nach einer Stunde Fahrt kurz vor der Endstation einfach an, damit wir aussteigen konnten und einen kürzeren Weg zu unserem Hotel hatten. Nett, diese griechischen Busfahrer!

 

Das Hotel ist klein, aber sauber, unser Zimmer mit drei Betten etwas eng, aber was will man erwarten für ein Zimmer in Piräus für sechzig Euro und einen Cent (wirklich).

Dann haben wir einen Spaziergang durch den Hafen gemacht und Tickets für die Fähre morgen früh nach Milos gekauft und am Kai geguckt, ob wir vielleicht Melina Mercouri treffen. Hab´n wir aber nicht. Zur Erinnerung: Melina Mercouri hat das Lied »Ein Schiff wird kommen« in dem Film »Sonntags nie ...« gesungen, das fast wie oben beginnt, bevor sie griechische Kultusministerin wurde, nachdem man die Militärjunta zum Teufel gejagt hatte. Aber das ist lange her und sie ist auch schon tot.

 

Um halb acht am nächsten Morgen war Gedränge im Hafen von Piräus. Die Sonne ging auf und vier große Fähren machten sich fast gleichzeitig auf, um die Leute auf die griechische Inselwelt zu bringen. Der Blick auf den Hafen war schon toll. Nach knapp viereinhalb Stunden und Zwischenstopps auf zwei Inseln erreichten wir Milos. Das ist da, wo die »Venus von Milo(s)« gefunden wurde und als «Beutevenus« im Louvre von Paris zu besichtigen ist. Bei dem Gerangel zwischen Türken, die damals Milos besetzt hatten und den Franzosen, die auf »Antiken-Klau-Tour« waren, sind allerdings ihre beiden Arme verloren gegangen, die beim Fund zwar nicht mehr dran, aber noch dabei waren. Eigentlich heißt sie ja Aphrodite, Venus ist der römische Name der Liebesgöttin, und wenn ihr wissen wollt, was das für ein loser Vogel war und mit wem die alles ´rumgemacht hat, dann lest später ´mal das Kapitel «LYSISTRATA« im zweiten Teil meines Romans »SELENA II oder Auch wir sind Aliens! Fast überall«, der noch vor Weihnachten rauskommt, hoffe ich.

Also Aphrodite von Milos befindet sich nur noch in Form des Namens des Nachbarhotels auf Milos. Unser heißt »Delfini« und ist nach den ewig grinsenden Meeressäugern benannt. Zuerst dachte ich ja, es sei nach dem antiken griechischen Ort »Delphi« benannt, wo eine bekiffte Maid mit Namen »Orakel« den alten Griechen allen möglichen Unsinn vor- und aufschwatzte. Das Delfini ist jedoch richtig schnuckelig, unser Zimmer hat seitlichem Meerblick und die junge Göttin, die das Hotel führt, supernett.

Milos ist wunderschön ruhig, nicht von Touristen überlaufen und hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten, und das Ägäische Meer hat mindestens 25 Grad Celsius, was bedeutet, dass sogar Ulli, ohne Zeter und Mordio zu schreien, in die Fluten steigt.

 

Am Abend sitzen wir dann in einer Taverne am Hafen, trinken Bier und Wein, sehen die Schiffe alle reinkommen und festmachen und die Sonne untergehen. Das Leben ist hier eines der schwersten!

Morgen wollen wir uns ein Auto mieten und die Insel erkunden.    

Aphrodite tanzt Tango

 

Aphrodite wusste schon, wo es schön ist – und heiß. Sie war ja auch ein ziemlich heißer Feger.

Mit dem Auto haben wir Orte und Badebuchten abgeklappert, eine schöner als die andere. Doch gegen Mittag wurde es so heiß, dass wir erst einmal zurück ins Hotel gefahren sind, um Siesta zu machen.

Um halb fünf schwitzten wir uns durch die alte Inselhauptstadt Plaka, die ganz oben auf dem Berg liegt. Dann suchten wir noch die Katakomben und die Fundstelle der Aphrodite von Milo, aber es war so kochend heiß und mit dem Auto trauten wir uns irgendwann nicht weiter, weil die Straßen immer enger und steiler wurden. In den engen Gassen von Plaka war es schattig und daher erträglich. Die Altstadt war echt schnuckelig. Ulli konnte es aber nicht lassen, auf den höchsten Punkt der Insel zu klettern. Dort stand ´ne weiße Kirche ´rum, die Aussicht war phänomenal und Ullis Stirn schweißbedeckt. Iso vertrieb sich die Zeit derweil in einigen Klamottenlädchen im Ort, denn dort liefen die Klimaanlagen. Das war natürlich nicht der einzige Grund.

 

Ab halb elf Uhr abends tanzte Aphrodite Tango. Wir besuchten Restaurant und Bar »AKRA«, an einem Hang hoch über dem Hafen gelegen, wo die Leute nur so hineinströmten. Es traf sich die »Tango-Argentino-Szene von Milos«. Man sprach Griechisch, Spanisch und vor allem Englisch, und wir beiden, mittendrin, legten auch die eine oder andere Sohle aufs griechische Parkett.

 

Nun sind wir nach zwei Tagen Relaxen auf dem Weg nach Sifnos. Es war so heiß, dass wir nur noch faul am Strand rumliegen konnten, natürlich im Schatten, und die Abkühlung im Wasser suchten, am letzten Tag war es aber etwas abgekühlt auf 28 bis 30 Grad. Es sah so aus, als ob das Wetter sich ändern würde, denn die Fische flogen tief. Vormittag waren wir fast allein am Strand vor unserem Delfini-Hotel, als plötzlich ein Schwarm von fünfzig bis hundert kleinen Fischen im Tiefflug über das Wasser sausten und nicht im Wasser, wo sie hingehören. Es sah so aus, als würden sie von größeren Fischen gejagt. Und das alles spielte sich vor unseren Augen zehn Meter vom Strand ab. Wow!

 

Um halbvier ging es dann mit der Fähre eine Stunde nach Sifnos. Der Hafen Kamares liegt in einer engen Bucht mit schmalem Zugang zum Meer und besteht im Wesentlichen nur aus einer Straße rund um die Bucht. Links und rechts bilden die Berge steile Hänge, an denen die weißen Häuser kleben. Sifnos war lange ein touristischer Geheimtipp, inzwischen lebt es aber vom Tourismus, der sich aber immer noch in Grenzen hält, vor allem jetzt, in der Nachsaison. Entlang des Ufers, dort, wo auch die Fähre ankommt, sind Restaurants mit Plätzen direkt am Wasser; auf der anderen Seite der Straße laden ein paar Geschäfte zum Bummeln ein. Gegenüber dem Meer führt ein Taleinschnitt hoch zur Inselhauptstadt Apollonia. Da fährt mehrmals am Tag auch ein Bus hoch. Am Hafen stand schon das Auto von unserem Hotelbesitzer, das uns die beschwerlichen 600 Meter zu unserer Bleibe fahren wollte. Unser Appartement »Morfeas« war, wie der Name schon sagt, traumhaft (Morpheus war der Gott des Schlafes und Traumes) hinter dem langen Strand gelegen, die Sicht aufs Meer wurde allerdings durch ein über zehn Meter hohes Schilfwäldchen versperrt.

 

Abends geht die Sonne genau über dem Meer zwischen den Berghängen unter, und wir hockten natürlich, zusammen mit etwa fünfzehn weiteren Touris, am Strand, machten Fotos und verdarben uns die Augen mit dem ständigen Blick auf die untergehende Sonne.

 

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus hinauf nach Apollonia die Inselhauptstadt. Früher waren die größeren Siedlungen noch am Meer, aber, nachdem sämtliche Mittelmeerpiraten im 16. bis 18. Jahrhundert entdeckt hatten, dass die Kykladen hervorragende Verstecke boten, floh man ins Inselinnere.

Der Bus fuhr bis Artemonas, was noch etwas höher liegt als Apollonia, und der nächste Berg mit einer alten Windmühle obendrauf war natürlich meiner. Meine Frau hielt mich langsam für gestört, in der Mittagshitze von an die 40 Grad treppauf zu kraxeln. Aber die Aussicht oben war ´mal wieder vom Feinsten.

Danach sind wir beide vereint erst treppab und dann wieder treppauf von Artemonas nach Apollonia durch die engen Gassen mit den weißen Häusern und den roten Bougainvilleen  geklettert.

 

Ich will ja gar nicht erst anfangen zu vermuten, woher die Namen Artemonas und Apollonia kommen. Könnten da die Zwillinge Artemis und Apollo dahinter stecken? Sie, die Göttin der Jagd, die sauer auf den Anführer der Griechen beim Feldzug nach Troja war und seine Tochter Iphigenie als Opfer verlangte, sonst gäbe es keinen Wind für die griechische Flotte, und er, Gott der Dichtkunst und Musik, der mit seinem  Nebenjob als Gott der Bogenschützen den Pfeil von dem Weichei Paris in die Achillesferse des gleichnamigen griechischen Helden lenkte, dessen einzige verwundbare Stelle. (siehe: Zeus & Konsorten/Troja/) Aber ich halte mich zurück, sonst sagt unsere Freundin Anne wieder, ich würde kein gutes Haar an den Göttern der Griechen lassen.

 Aber es war ein toller Tag, und heute Abend geht es wieder zum Essen & Trinken unter Tamarisken an den Hafen. Vielleicht sogar »Griechischen Wein und die altvertrauten Lieder ...« von uns Udo. Nicht der mit dem Schlapphut und der Nöl-Stimme, sondern der aus Österreich, der eigentlich Bockelmann heißt.    

Medusas Schlangenhaupt

 

Kastro und Platí Gialós sind unser heutiges Ziel.

Kastro, die historische Inselhauptstadt thront auf einem steilen Felssporn einhundert Meter über dem Meer an der Ostküste von Sifnos, und man erreicht sie mit dem Bus von Apollonia über eine schmale Straße mit hundert Serpentinen. Da der Bus in den engen Kurven die ganze Straßenbreite braucht, gibt er andauernd Alarm mit seinem Quietsche-Entchen. So klingt nämlich das, was normale Menschen eine Autohupe nennen würden. Aber das Entchen quietscht auch bei jedem entgegen-kommenden Fahrzeug und jedem Fußgänger, die der Fahrer natürlich alle kennt und auf diese Weise begrüßt.

 

Dann sind wir durch die engen Gassen von Kastro geklettert. Hier ist noch alles so, wie es zur Zeit der spanisch-venezianischen Besetzung im 14. und 15. Jahrhundert war, als es noch Hauptstadt war. Es gibt noch Reste einer hellenistischen Akropolis, die aber mit der heute völlig verfallenen venezianischen Festung überbaut wurde. Auf einer kleinen Felsspitze steht Epta Martires, ein kleines Kirchlein, welches Mann, nämlich Ulli, über einen Treppenweg mit hundert Stufen erreicht, das Fotomotiv  schlechthin. Meine andere Hälfte wollte lieber ihre Knie schonen und als Ausgleich ihren Geldbeutel plündern. Sie fand nämlich ein kleines Schmuckgeschäftchen fünf Treppen weiter.

Zurück nach Apollonia fuhren wir mit dem Schulbus ohne Quietsche-Entchen, der gerade eine Schulklasse von ihrem Ausflug nach Kastro zurückbrachte.

 

Von Apollonia brachte uns der Bus nach Platí Gialós, dem schönsten Strand von Sifnos im Südosten der Insel. Hier teilten wir uns das schattige Plätzchen unter einer Tamariske am einen Kilometer langen Strand mit zwei griechischen Mädels. Denn alle schattigen Plätzchen, davon gab es drei, waren bereits besetzt. Es herrschte also wenig Gedränge. Auch in den zahlreichen Kafenions war wenig los, die Saison ging zu Ende.

 

Die Rückfahrt war dann noch abenteuerlicher als die nach Kastro. Unser Fahrer hatte kein Quietsche-Entchen sondern fuhr ständig kleinen giftigen Kötern über den Schwanz. So klang nämlich sein Signal. Nach dem einundzwanzigsten Kötergejaule, in der letzten Kurve vor Apollonia, fuhr er auf der linken Seite der Straße an ein Café heran, hielt an und blockierte somit die Straße in beiden Richtungen. Durchs geöffnete Fenster reichte man ihm einen frischen »Coffee to go«; er hielt ein kurzes Palaver und machte anschließend die Straße wieder frei für die sich inzwischen auf beiden Seiten angestauten Fahrzeuge, die in allen skurrilen Tönen so vor sich hin hupten. Ihr merkt: Auf Sifnos hat man Zeit und jeder kennt jeden, und hupen tut man viel und gern, es stört aber keinen.

 

Nach einem mehr als herzlichen Abschied von Morphea, dem Rezeptionsmädel und einem herzlichen von Morpheus, der uns noch die 600 Meter im Auto zum Fähranleger fuhr, ging es in einer knappen Stunde nach Serifos (früher Seriphos geschrieben), wo wir wiederum von einem Kleinbus zu unserem «Coralli-Bungalow« gebracht wurden. Die Anlage liegt am Livadákia-Strand mit Blick auf die ankommenden Fähren. Der kleine Fährhafen Livadi ist über den Strand und zwei lange Treppen zu erreichen und hat sich schon auf das Saisonende eingestellt, etliche Restaurants haben bereits geschlossen. Aber wir haben bei einem kurzen Besichtigungsmarsch schon zwei ins hungrige Auge gefasst direkt an der kleinen Hafenmole gelegen. Die weite Bucht mit Hafen wird landeinwärts überragt von einem steilen Felsenberg, um dessen Spitze sich die schneeweißen Häuserwürfel der Inselhauptstadt Chora drängeln. Ein »must-do« für den übernächsten Tag.

 

Ja, und dann verbindet Mann – wieder Ulli, der ja gern die griechische Mythologie am Wickel hat – mit Seriphos nicht etwa die Erfindung der serifenlosen Schriftzeichen sondern Perseus und seine Mutter Danaë. Die landeten in einer Holzkiste auf Seriphos nachdem sie vom Vater und Großvater so Moses-mäßig im Meer ausgesetzt wurden. Dem war nämlich gesteckt worden, dass sein Enkelkind ihn irgendwann umlegen würde, vermutlich hatte da wieder die bekiffte Orakeltusse von Delphi ihre Finger im Spiel. Polydektes, damals Herrscher auf Seriphos und ausgesprochen mieser Typ, machte sich an Mutter Danaë ´ran, was dem Perseus gar nicht gefiel und seiner Mutter noch weniger. Also machte Perseus sich auf zu den Klingonen,  – nein, das sind die vom Star-Trek –, er machte sich stattdessen auf zu den Gorgonen, drei ziemlich fiese Weiber, die jeden, der sie anblickte, zu Stein erstarren ließen. Die jüngste dieser Weibertruppe hieß Medusa, hatte statt Haare giftige Schlangen auf dem Kopf, den sie aber verlor, weil Perseus ihn ihr abschlug. Auf dem Rückweg heiratete er noch schnell Andromeda, die gerade geopfert werden sollte, weil irgend so ein streitsüchtiger Gott ´mal wieder sauer war, und die ja allen bekannt ist als unsere Nachbargalaxie. Den abgeschlagenen Kopf der Medusa hielt er dann dem Tyrannen Polydektes vor die Nase, der sich gerade über Danaë hermachen wollte. Der wurde schnurstracks zu Stein und hätte die arme Danaë beinahe platt gemacht, wenn Sohnemann nicht zu Hilfe gekommen wäre. Ja, und den versteinerten Typen soll man heute noch besichtigen können. Einzelheiten dazu erfahrt ihr unter: Zeus & Konsorten/Perseus, Danaë und das älteste Gewerbe der Welt/

 

Das mit dem ausgeguckten Restaurant am Hafen war dann noch nicht so der Hit. Das Essen war ok, aber der Wirt und die Bedienung waren uns nicht so ganz sympathisch. Ersterer, so lang wie breit, hockte ständig mit seinem ausladenden Gesäß (weniger nett würde man »fetter Arsch« sagen) halb auf einem der Tische, die für Gäste eingedeckt waren und letzterer, ein junger Mann mit Pferdeschwanz, kratzte sich ständig am Sack, wenn er die Straße überquerte, um die Gäste an den Tischen an der Wasserseite zu bedienen. Nun, Benehmen ist eben Glückssache, das gilt nicht nur für Deutsche auf Malle sondern auch für einige Griechen. Es hat wohl auch damit zu tun, dass auf Serifos im Juli und August der Touristenbär tobt, viele Athener machen hier gern Urlaub und haben sich so manches Luxusanwesen bauen lassen. Dann sind auch alle Lokale restlos überlaufen. Das wirkt sich auf den Service aus. Jetzt in der Nachsaison sieht es so aus, als sei der Wirt nicht so ganz zufrieden mit der Anzahl seiner Gäste.

 

 Der nächste Tag begrüßt uns wieder mit strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Es ist allerdings recht windig, zum ersten Mal, und am Strand ist es im Schatten etwas kühl. In der Sonne natürlich nicht, aber da hält es kein Schwein aus, geschweige denn ein vorgerösteter Nordeuropäer.

 

Wir schleppen uns in der Nachmittagshitze einmal über Bucht mit herrlichem Sandstrand und entdecken weiter weg von Ortszentrum beim Anleger so manche Taverne mit griechischem Kaffee und Erfrischungen sowie einer Speisekarte, die einen angenehmen Abend versprechen könnte mit vernünftigem Preis-Leistungs-Verhältnis. Je weiter man vom Fähranleger weg kommt desto preiswerter werden die Tavernen.

 

Auf dem Rückweg fiel unser bewunderndes Auge auf einen alten, wunderschönen Dreimaster mit Holzrumpf, der am Seglersteg lag. Der kam aus der Türkei, und als ich am Fotografieren war sprach uns ein junges Pärchen an, das mit ihrem Luxussegler genau gegenüber festgemacht hatte. Die erzählten uns dann, dass vom Schiff gerade vorher lauter alte Leute heruntergekrochen gekommen seien, die alle »mindestens dreißig Jahre älter« als wir gewesen seien. Das war natürlich ein nettes Kompliment für uns, aber ich musste doch nachfragen, wie die denn ihre Rollatoren über die schmale Gangway gebracht hätten.

So kamen wir ins Gespräch und sie erzählten uns, dass sie mit ihrer Yacht eine Tour durch die Ägäis machten und meistens nur einen Tag in jedem Hafen verbrachten. Die fanden unser Inselhopping richtig toll.

 

Am nächsten Morgen krochen wir mit dem Bus im ersten Gang hoch zur Chóra in luftiger Höhe. Die Häuser kleben am steil abfallenden Hang und wir kletterten treppauf, treppab durch die weiß verfugten Gassen. Vom kleinen Kirchlein auf dem Gipfel hatte man einen fantastischen Blick über die gesamte Bucht.

Dann sind wir in praller Sonne den »alten Eselspfad« wieder ins Tal gestiegen der nur einen einzigen schattigen Platz auf halber Höhe an der Eselstränke bot. Damit ihr nicht auf falsche Gedanken kommt: Der Pfad hieß schon so, bevor wir in der späten Vormittagshitze hinuntergetrabt sind.

 

Nun sind wir zurück in unserem Bungalow. Meine Partnerin macht Siesta und ich schreibe.

 

Heute Nachmittag stürzen wir uns noch einmal in die ägäischen Fluten und morgen geht es zurück nach Athen, wo wir noch einen ganzen Tag zur Besichtigung haben.    

Akrópolis  adieu!

 

Nach viereinhalb Stunden auf der Fähre sind wir jetzt im abendlichen Athen. Unser Hotel liegt in der Fußgängerzone im Zentrum. Akrópolis und andere Steinhaufen sind alle zu Fuß zu erreichen.

 

Um 10 Uhr morgens standen wir keuchend hoch oben im Chinesenviertel, auch Akrópolis genannt, früher haben wir es einfach nicht geschafft. Das war schon zu spät, denn Massen von Chinesen und ein paar andere Menschen drängelten sich vor dem Parthenón, dem riesigen Tempel der Pallas Athene, dem kleinen Nike-Tempel und dem Erechtheion mit den sechs das Dach tragende Mädchenstatuen. Eine davon wurde bereits im 19. Jahrhundert von den Engländern geklaut und mit Hunderten anderer antiker Stück von der Akrópolis in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ins Britische Museum in London gebracht. Heute streitet sich Griechenland mit dem Britischen Museum um die Rückgabe, allerdings erfolglos, denn die Briten sagen: »Geklaut ist geklaut und das behalten wir«. Wäre ja auch noch schöner, wenn die Briten alles zurückgeben müssten, was sie im Laufe der Jahrhunderte so zusammengeklaut hatten, dann wäre das Britische Museum leer und die Queen Hartz-4-Empfängerin.

 

Auf dem Rückweg haben wir dann noch die griechische und die römische Agora, Mittelpunkte des antiken Lebens, die Reste der Hadriansbibliothek, die Straße des Flohmarkts und den Syntagma-Platz abgearbeitet, wo alle halbe Stunde vor dem Parlament komisch verkleidete Männer, die Evzonen, mit merkwürdig angewinkelten Beinen im Zeitlupentempo einen Wachwechsel  zelebrieren. Das sieht schon sehr albern aus. Aber die Touristen freut´s und uns auch. Die Leute knipsen sich die Finger wund.

 

Nun sind aber nicht unsere Finger sondern die Füße wund, und wir schleichen geschlagen ins Hotel zu einer kurzen Siesta.

 

Hilfe! Unser Hotel ist umzingelt von Schuhgeschäften! Im Umkreis von hundert Metern gibt es sechs davon. Und die mussten alle aufgesucht werden, bevor wir uns aufs Neue in die Antike stürzten.

Reste des großen Zeustempels waren dran und der Hadrianturm. Dann sind wir durch die Pláka, die Altstadt geschlendert, haben dies und das angeguckt, hier ein Eis gegessen, dort ein Orangensaft und Tonic Water getrunken, hier ein »MANGO«, dort ein »ZARA« und dahinter ein »H&M«.

 

Abends trafen wir auf einen älteren Griechen, der gerade sein Geschäft abschloss und uns einen Tipp gab, wo das beste griechische Restaurant sei. Er müsse es wissen, denn er wohne schon seit seiner Kindheit in der Pláka.

Das Restaurant war denn auch gut und teuer, aber es hat sich gelohnt. Es gab Live-Musik und ein paar ältere Gäste liehen sich später die Instrumente aus und machten eine Session mit griechischer Folklore. Das hätten Robert, Piet und Mecki sein können, nur die können kein Griechisch. – Es war jedenfalls ein tolles Ambiente.

 

Der Bus morgen Mittag zum Airport geht acht Minuten zu Fuß von hier ab und abends sind wir dann wieder zu Hause.

 

Akrópolis Adieu!


© Ulli Kammigan, Sept. 2014


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