New Zealand North

 Mail 8, eight, huit, ocho, acht

 

Die Überfahrt auf die Nordinsel war extrem ruhig. Die Fähre fuhr wie auf Schienen. Wir haben uns etwas die Nase verbrannt, trotz intensiven Eincremens. In Wellington irrten wir ’ne Stunde durch die Innenstadt voller Einbahnstraßen, bis wir das Backpacker-Hostel gefunden hatten. Es war die einzige bezahlbare Unterkunft.

 

Hatte ich in der letzten Mail irgendetwas von tektonischer Instabilität gefaselt? Wie Recht ich doch hatte. Als wir mit dem Fahrstuhl oben auf der dritten Etage ankommen und die Tür sich gerade öffnen will, rumst es. Der Fahrstuhl knallt einmal links und einmal rechts gegen den Fahrstuhlschacht und die sich gerade öffnende Tür rattert, wie ein Maschinengewehrfeuer.

 

Ich bin beleidigt und gebe dem Fahrstuhl die Schuld: »Nächstes Mal nehme ich den anderen Fahrstuhl (es gibt zwei)«. Meine Begleiterin meint jedoch, es könne sein, dass der Fahrstuhl gar keine Schuld hat. Und richtig. Als wir den Flur betreten, reißen vor uns zwei sehr dürftig bekleidete junge Backpackerinnen ihre Tür auf und stürzen mit Panik in den Augen auf den Flur: »Was this an earth-quake?«

Es war eins. Aber keinen Wellingtonianer scheint es ernsthaft zu stören. Hier rumst es öfter ’mal.

 

Spät abends  rumst es wieder. Aber diesmal ist es kein Erdbeben, sondern der Boden im »Molly Mallones« vibriert vom Dröhnen der Life-Band. Wir trinken gerade unseren »Pint of Golden Lager«, als lauter als Hexen, Engel, Kitsch-Prinzessinnen und Käfer in lila, pinken, grünen und sonstigen Mähnen das Lokal stürmen. Iso dachte erst, es sei so eine Bad-Taste-Party, aber die waren wirklich so hässlich. Es ist eine Junggesellinnen-Abschiedsparty. Bei der Weibertruppe ist sogar ein Mann dabei, der Bruder von Louise, aber er ist nur geduldet, weil er  sich als Frau verkleidet hat. Ich will von ihm/ihr wissen, wer denn die zukünftige Braut sei. Er sieht sich um, und bemerkt dann, dass er sie nicht sehen könne. Sie haben sie wohl unterwegs verloren. Jedenfalls sind sie alle mächtig angeschickert und die Stimmung schwappt über. Dann zieht die ganze bunte Truppe weiter und übrig bleiben nur ein paar Weihnachtsfrauen mit Mützen, an denen die Sterne blinken. Solche, wie ich sie auch immer zu Weihnachten in der Schule trug. Man kann nun auch wieder die rockigen Oldies der Band hören, und wir tanzen Disco-Fox dazu.

 

Am nächsten Morgen ist, bei Regen, »Te Papa« angesagt, das berühmte Museum über die Geschichte Neuseelands und der Maori. Sehr beeindruckend. Nur fotografieren darf man nicht.

 

Die Geschichte war nicht so ganz ohne: Der Holländer Abel Tasman war ein bisschen dusselig. Er hat zwar Neuseeland entdeckt, aber keinen Fuß an Land gesetzt. James Cook, der über 100 Jahre später ankam, war da pfiffiger. Er ging in Australien und Neuseeland an Land und sagte gleich: »Alles meins! Alles meins!« Und schon war der britische Einflussbereich um ein paar Millionen Prozent grösser. Die Aborigines in Australien wurden da nicht gefragt. Im Gegenteil, sie wurden wie räudige Hunde gejagt, nach dem Motto: »Geh’n wir heute ’mal ein paar Ureinwohner abknallen! Hach, wie lustig!« Und die Maoris auf Neuseeland waren sowieso damit beschäftigt, sich gegenseitig die Kehle durchzuschneiden. Ja, die Kolonialisierung war schon ein bitteres Kapitel in der Menschheitsgeschichte.

 

Doch zurück in die Gegenwart. Mittags geht es bei bedecktem Himmel nordwärts. Wir fahren durch flaches Land auf schnurgerader Straße. Wie langweilig! Erst gegen Nachmittag wird es hügelig und wir handeln Leslie von 115 auf 95 Dollar herunter. Wir haben wieder Küche und Bad und mein Weib wäscht in der Laundry.

Ein neuer Tag. Heute qualmen die Schuhsohlen, aber nicht, weil wir so viel gewandert sind, sondern weil der Boden unter uns blubbert und qualmt. Wir sind in Taupo am Lake Taupo, dem größten der Nordinsel.

 

Heute vormittag ging es auf der »Desert Road« vorbei an drei aktiven Vulkanen, deren Spitzen leider in Wolken verhüllt waren, dem 2797 m hohen Mount Ruhapehu, dem 2287 m hohen Mount Ngauruhoe und dem 1967 m hohen Mount Tongariro, alle drei hintereinander aufgereiht im Tongariro National Park. Dann haben wir in den Tokaaru Thermal Pools gehockt, 39 Grad warm, und sind durch blubbernde Schlamm- und qualmende Mondlandschaften gelatscht. Und das bei mindestens 27 Grad im Schatten von oben. Von unten war es deutlich wärmer. Heute war eindeutig der wärmste Tag. Kein Wunder! Es geht ja auch auf Weihnachten zu.

Mail 9

 

Heute ist Nikolaus, und ich dachte, das wird ein Tag, den ich besser aus dem  Reisetagebuch streiche. Er entwickelte sich nämlich gar nicht gut. Heute Morgen war es kalt, 18 Grad und nieselte. Unser Ziel war Rotoura, hochgelobt in den Reiseführern, tausend Sachen, die man unbedingt ansehen sollte. Also bretterten wir durch. Das Wetter wurde besser und Rotoura schlechter. Es war ein durch und durch touristisch aufgemotzter Ort. Die Sehenswürdigkeiten, wie Kiwi-Aufzucht-Station, das Polynesian Spa, das Buried Village und der ganze popelige Rest kostete ein Heidengeld. Überall verlangte man Eintritt, und nicht wenig. Sogar das Klo kostete 'was. Das hatten wir in ganz Neuseeland noch nicht erlebt.

Ganz ok war »Ohinemuto«, wo die Nachkommen des einst mächtigen Arawa-Stammes sich am Seeufer nördlich der Innenstadt häuslich eingerichtet haben. Überall dampfte und brodelte es aus dem Boden, und das reich, mit Schnitzereien versehene Versammlungshaus konnte sich sehen lassen. Und durch den Qualm zu latschen, kostete nichts. Aber sonst fanden wir Rotoura enttäuschend.

 

Dann stellten wir auch noch fest, dass wir auf unserer eiligen Fahrt nach Rotoura auf halber Strecke das vielleicht bekannteste Thermalgebiet Neuseelands überfahren hatten. Also: Marsch, zurück! Das kostete auch Eintritt, je 32,50 $, aber die haben sich gelohnt. Es brodelte und dampfte überall, und man ging mitten durch. Die kochenden Tümpel und Seen boten sich in allen Farben dar, von tiefschwarz über kupferrot bis schwefelgelb und giftgrün.

Inzwischen war es recht spät geworden und wir erreichten den nächsten größeren Ort erst gegen sechs.

 

Auf dem »Tourangi Kiwi Holiday Park« versuchten wir unser Glück. Und wir hatten mehr als Glück. Die Landlady entschuldigte sich, dass die Gebäude von außen so schäbig aussahen, sie hätte den Park erst übernommen und der Winter war so lang und feucht, dass sie noch nicht zum Streichen gekommen waren. Sie bot uns eine »Self-Contained-Unit«, also eine Selbstversorgungseinheit für 95 $ an. Die Unit war völlig neu eingerichtet, zwei Schlafzimmer, zwei Kinderzimmer, eine Küche mit Mikrowelle und Geschirrspüler, eine Essecke mit Riesentisch und sechs Stühlen, Dusche und WC getrennt und ein Wohnzimmer mit Wintergarten. Also ein ganzes Haus für zwei Familien. Als Krönung des Abends machte meine Frau uns  frische Erdbeeren vom Stand an der Straße.

 

Nun sitzen wir vor der Super-Glotze und haben die neuseeländische Lottogesellschaft eingeschaltet, die gerade das Wetter für morgen auslost. Sieht nicht gut aus. Immer wieder Regen.

Um 11.06 Uhr am nächsten Tag kommt die Sonne ´raus und es wird warm. Ich will unbedingt noch den Vulkanberg mit Schnee sehen, also fahren wir hoch, bis wir absolut nichts mehr sehen können. Wir sind mitten in der fetten Regenwolke.

 

Nun aber sind wir in Ohope Beach  an der »Bay of Plenty«. im Nordwesten. Irgendwo da draußen dümpelt ein aufs Riff gelaufener Containerfrachter und versaut die Umwelt. Aber davon sehen wir nichts.

Es ist warm, die Sonne scheint, der Pazifik rauscht, was soll er auch sonst tun, und wir haben lieber im Pool gebadet, weil wir dem Großen-Tümmler-Ehrenwort der Haie nicht glauben, dass wir nicht auf ihrer Speisekarte stehen.

"Hi", sagte der Hai,

"ich bin so frei

und komm' g'rad vorbei

für 'ne Keilerei.

Wie wär's mit uns zwei?"

Er tat so als sei

gar nichts dabei.

Au wei!

 

Auf unserer Route ums East Cape von Whakatone bis Gisborne ist zwar strahlender Sonnenschein, aber wir kommen überhaupt nicht voran. Es geht an der Küste entlang und in den Bergen, eine Serpentine nach derselben. In Tolaga Bay, 47 km vor Gisborne, haben wir keine Lust mehr. Man leitet uns zu einer cabin in direkter Strandlage mit herrlichem, fast einsamen Strand. Hier führt ein ziemlich verfallener Beton-Steg weit nach draußen. Vor Jahren war hier eine große Fisch-Verladestation. Wir fotografieren ein paar Maori-Mädels, die vom Steg 5 Meter tief ins Wasser springen.

Mitten in den Bergen sind wir übrigens auf eine Schweizer Familie getroffen, die mit dem Fahrrad unterwegs war. Die Eltern mögen so höchstens dreißig gewesen sein. Der Vater hatte Zelt und Gepäck am Fahrrad und einen Anhänger, in dem zwei kleine Kinder saßen, das eine noch in Windeln. Muttern hatte das Kinderfahrrad ihres wohl vierjährigen Sohnes fest mit einer Stange mit ihrem Fahrrad verbunden. Und die radelten fröhlich die Serpentinen rauf und runter. Die spinnen, die Schweizer.

Nächster Tag, oder »Next Day«, wie der Kiwi zu sagen pflegt. Beeindruckend ist heute Morgen die Fahrt auf dem »Waioeke Gorge Drive« durch die Schlucht des gleichnamigen Rivers. Die Schlucht ist unglaublich eng, die Berge gehen auf beiden Seiten senkrecht nach oben und die Straße drängelt sich neben den rauschenden Fluss mit glasklarem Wasser. Und hinter der 90. Kurve meint man, nun müsse 'mal das Ende kommen. Aber »Karotten-Kuchen« (das ist hier der Pustekuchen): Es geht immer weiter, vierzig (!) Kilometer lang.

 

Omokoroa  heißt der 100-Seelen-Ort, wo wir heute sind, aber wer kann sich das schon merken. Wir sind auf dem Weg nach Norden, die Ostküste entlang. Unser Ziel ist die »Coromandel-Peninsula«.

 

Hier tobt touristisch der Bär, wenn die Kiwis Ferien haben. Man merkt es auch an den Preisen. Unser Übernachtungslimit ist nicht zu halten. Dafür gibt es hier im »Omokoroa Thermal Holiday Park«, wie der Name schon sagt, gleich drei Pools mit 39 bis 41 Grad warmen Wasser, und in einem kann man sogar richtige Bahnen schwimmen. Abkühlung bekommt man nur, wenn man aus dem Wasser kommt, denn die Luft ist 25 Grad kalt. Und man hat hier Internet. Also geht diese Mail ab.

 

Mail 10

 

Wir sind auf der Ostseite der Coromandel Halbinsel. Es gibt hier hunderte von herrlichen Stränden, fast menschenleer. Wenn nur das Wetter besser wäre! Es ist kalt und windig. Es ist so kalt, dass einem fast die Zehen abfrieren. Höchstens 19 Grad. Ich musst mir sogar Socken anziehen.

 

Die Backpackers in Whitianga haben uns alte Säcke aufgenommen. Die haben nämlich auch Self-Contained-Units, und die sind bezahlbar. Also schauen wir von unserem Wohnzimmer-Küchen-Kombination nach draußen über die Straße aufs Meer und die »Alderman Islands« und Neuankömmlinge klopfen an unsere Terrassentür, weil sie uns für die Rezeption halten. Klar, so alte Leute müssen die Rezeption sein!

Soeben ist ein noch älterer Mitsubishi-PKW mit zehn (!) Chinesen angekommen und wir haben sie nach hinten umgeleitet, da, wo die Rezeption wirklich ist.

 

Heute treffen sich die Kiwis mit Schaufeln bewaffnet am Strand. Aber die wollen nur spielen! Sie machen etwas, was eigentlich nur den Deutschen in aller Welt vorbehalten ist: Sie bauen Sandburgen in den nassen Sand. Sie schaufeln wie die Verrückten bis die nächste Welle kommt und ihre ganze Arbeit zunichte macht.

Kurz gesagt: Wir sind am »Hot Water Beach«, wo bei Ebbe heißes Wasser aus dem Sand sprudelt. Bei Flut natürlich auch, aber da merkt man es nicht, weil das kühlere Wasser sich darüber befindet. Also versucht der gemeine Kiwi, sich seine eigene Badewanne mit heißem Wasser zu schaufeln. Eine Sisyphus-Arbeit! Andere Kiwis wiederum hüpfen wie angestochen auf und ab. Sie sind genau auf so eine Stelle getreten, wo das Wasser mit 60 bis 65 Grad  aus dem Sand blubbert. Wir haben lediglich die Füße ein bisschen in den nassen Sand gebohrt, und schon wird es muggelig warm, nur nicht zu tief, denn dann reiht man sich in die hüpfenden Kiwis ein.

Anschließend machen wir eine Eineinhalb-Stunden-Kletterpartie durch Baumfarne und prähistorischen Wald zum Cathedral-Cove. Das ist richtig anstrengend, aber die Bucht, an die wir dann kommen, hat die beschwerliche Wanderung gelohnt: Schroffe Felsen mit tiefen Höhlen grenzen den Strand mit weißem Sand ein, und in der Mitte steht ein Fels im Wasser, der unten von den Wellen schon ganz schmal ist und wie ein Pilz aussieht.

Dann besuchen wir noch die Stelle, an der Kapitän James Cook am 5. November 1769 als erster Weißer seinen Senk-, Spreiz- und Knickfuß auf neuseeländischen Boden setzte, natürlich am Cook-Beach. Deswegen bleiben wir auch noch einen zweiten Tag bei den Backpackers in Whitianga.

Die Westküste der Coromandel Peninsula: Strände wie Regengüsse, einer schöner als der andere! Auch die Orte Coromandel und Thames sind bei Regen eher nicht so der Hit. Also auf ins Northland! Den ganzen Tag ist es vielleicht vier Stunden 'mal trocken.

Wir machen etwas falsch. Da, wo wir herkommen, scheint die Sonne, und da, wo wir hin wollen, hat das Wetterlotto die falschen Zahlen gezogen. Wir hoffen auf die hohe Fehlerquote!

 

Whangarei ist vorbei! Nun sind wir 60 k´s, wie der gemeine Kiwi zu sagen pflegt, weiter nördlich in der Bay of Islands. Es ist zumindest trocken und warm. Wir steigen aufs Boot für die dreistündige Schiffstour zum »Motukokako«. Wobei natürlich jedes Kind weiß, das motukokako maori ist und »Loch im Felsen« heißt. Uns interessiert allerdings weniger das Felsentor in einer der über hundert vorgelagerten Inseln, als vielmehr die Aussage, dass man Delfine zu sehen bekäme.

 

Als wir aus dem Schutz der Inseln ins offene Meer kommen, schaukelt es erstmal heftig. Der Skipper verzichtet daraufhin, durch das Felsentor zu fahren. Es ist zu hoher Wellengang. Also wird geguckt und fotografiert.

Und dann auf der Fahrt zurück: Die China-, Aussie- und Kiwimädels an Bord stoßen Entzückensschreie aus, denn eine Gruppe Delfine umkreist das Schiff. Sogar die Sonne kommt kurz hervor und lässt anfragen, was das Gekreische zu bedeuten habe. Aber auch wir sind begeistert.

Für den Mittwoch quaken die Wetterfrösche nichts Gutes. Also verzichten wir darauf, bis ganz in den Norden zu fahren, zum Cape Reinga, da, wo sich die Tasmanische See und der Südpazifik knutschen.

 

Auch den »Ninety-Miles-Beach« lassen wir rechts liegen. Die Kiwis haben mit ihm sowieso geschummelt. Er ist nicht 90 Meilen lang, sondern nur 90 Kilometer, und mit unserem Leihwagen dürfen wir ihn nicht befahren. Dafür statten wir dem ältesten lebenden Bewohner Neuseelands einen Besuch ab: Tane Mahuta!

 

Den Schätzungen nach, erblickte er das Licht der Welt gleichzeitig mit Jesus Christus, also vor mehr als 2000 Jahren. Es ist ein Kauri-Baumriese und wir erstarren vor Ehrfurcht. Wirklich! Die Kauri-Bäume haben riesig lange Stämme und verzweigen sich erst in gewaltiger Höhe. Sie erreichen zwar nicht ganz die Höhe der nordamerikanischen Mammutbäume, haben aber einen viel größeren Stammdurchmesser.

 

Klar, dass die ersten weißen Siedler wie die Verrückten die Kauri-Wälder abholzten und vom Holzhandel stinkreich wurden. Erst jetzt beginnt man die verbliebenen Bäume zu schützen und wieder aufzuforsten. Unserer Ur-hoch-zehn-Enkel in 1000 Jahren dürfen sich freuen.

Die letzten Tage bei den Kiwis sind angebrochen und morgen geht's nach Auckland, von wo wir Sonnabend den Abflug machen.

 

 

Mail 11

 

Die Maoris müssen farbenblind sein! Als sie vor zirka 900 Jahren  nach Neuseeland kamen, nannten sie die Inseln - übrigens bis heute - AOTERAOA, das »Land der langen weißen Wolke«. Wir erleben seit Tagen  nur dunkelgraue Wolken. Es schifft wie aus Eimern. In Nelson gab es Überschwemmungen im »Land der  langen grauen(-haften) Wolke«. Abends kommen die Nachrichten im Fernsehen, dass auch im Norden, genau da, wo wir herkamen, es sintflutartige Regenfälle gab. Der State Highway Nr. 1 ist voll gesperrt und weitere Straßen und Brücken sind unterspült und nicht passierbar. Sie haben sogar eine Schuldige gefunden: La Niña! Jedenfalls ist an einigen Orten an einem Tag mehr Regen gefallen als sonst in zwei Jahren.

 

In Auckland sind wir wieder stundenlang durch die Stadt gekurvt, auf der Suche nach unserer Bleibe. Wenn es denn aufhört zu regnen, wollen wir ein bisschen bummeln. Wir sind dabei dann sowas von nass geworden! Gott sei Dank gibt es in unserem Hotel ein Gästetrockner, wo nicht die Gäste, dafür aber unsere gesamte Kleidung getrocknet werden kann.

 

Am nächsten Tag ist es überwiegend trocken und hin und wieder scheint die Sonne. Also besichtigen wir den Teil von Auckland, der sich oberhalb von 10 Zentimetern befindet, denn höher zu schauen, war bei den gestrigen Güssen nicht drin. Und siehe da, es laufen lauter Gestalten herum, schwarz gekleidet mit schwarzer Quadratplatte auf dem Kopf. Sie tragen Talar und Doktorhut. Und unter den Talaren nicht der Muff von 1000 Jahren (Uni Hamburg, 1967), sondern junge knackige Mädels, die ihren Hochschulabschluss gemacht haben.

Ganz Auckland feiert!

Dann lernen wir Owen kennen. Owen ist Straßenbahnfahrer. Durch das Hafenviertel rund um den Fischmarkt fährt noch eine alte Straßenbahn auf einem zirka 20-minütigen Rundkurs. Außer einer Französin mit zwei kleinen Kindern sind wir die einzigen Fahrgäste.

Owen ist richtig gut drauf. Beim Lösen der Fahrkarten überreicht er mir zwei Tickets: »This is for you and the other one is for your nice daughter.«

»Meine Tochter« ist geschmeichelt.

 

Am fish-market steigt die Französin mit ihren Kindern aus und empfiehlt uns aber noch, dort zu Abend zu essen. Das Essen sei gut.

Als auch wir zwei Stationen später aussteigen wollen, fragt uns Owen, wohin wir wollen. Wir wollen zur Busstation der kostenlosen City-Link-Linie.

»Bleibt sitzen«, meint er, »ich fahre euch dahin. Wir kommen noch daran vorbei«. Wir bleiben sitzen.

 

Dann fängt Owen an, zu erzählen: Er sei bis zum vergangenen Frühjahr Straßenbahnfahrer in Christchurch gewesen. Aber dann habe das Erdbeben fast die gesamte Strecke zerstört und er habe sich in Auckland als Fahrer beworben. Nun fährt er seit einem halben Jahr Touristen mit der Straßenbahn durch das neue Hafenviertel.

Beim Straßenbahndepot hält er an und bittet uns auszusteigen. Er möchte uns etwas zeigen. Dann führt er uns in einen offenen Lokschuppen. Dort steht ein alter Straßenbahnwagen aus der Zeit um 1900. Den führt er uns vor. Er stellt sich an die Kurbel im vorderen offenen Peron und ich mache ein Foto.

Später steigen wir wieder in unsere Straßenbahn, und Owen fährt uns in aller Gemütlichkeit zu der Stelle, wo der Bus hält, der uns direkt zu unserem Hotel zurückbringt.

Abends essen wir am fish-market, und lernen Fay und Robert aus Auckland kennen und tauschen Familienbilder aus.

 

Beide waren ganz reizend und der Fisch grauenhaft.

 

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