Sydney

12. bis 19. November 2011

Mail 2

 

Sydney, 12.11., 25 Grad, leicht bedeckt, 7 a.m. Manly Beach.

 

Lautsprechergedröhn weckt uns. Auf dem Beach ist die Hölle los. Es ist »nipper-carnival«! Der findet einmal im Jahr statt und dann können die Eltern mit ihren Sprösslingen angeben. Die werden nämlich kraulend, paddelnd, auf dem Surfbrett stehend durchs Wasser gescheucht. Es wimmelt nur so von Kurzen in ihrem einheitlichen Sportdress.

Das alles sehen wir von unserem Frühstückstisch in Steves und Sarahs Wohnung. Sarah hat sogar meine Lieblingsmarmelade, mein Lieblings-Frühstücksei und mein über alles geliebtes Baquette besorgt. So lässt sich’s frühstücken.

 

Aber schon einen Tag später ist morgens um 7 die Welt nicht mehr in Ordnung, denn Sarah fragt mich doch glatt, ob ich mit ihr und Steve Schwimmen gehe. Vom Manly Beach zum Shelly Beach, eineinhalb Kilometer. Das Wasser hat zwar ’ne muggelige Temperatur von 40 Grad. Das ist aber nur so lange muggelig, bis ich herausbekomme, dass sie Fahrenheit meint. Es sind polarmäßige Temperaturen von 18 bis 19 Grad Celsius.

Ich glaub’, es hackt. Die beiden können gut reden. Die haben ja auch ihre Neopren-Anzüge an, die jede Schockstarre verhindern!

 

Nach dem Frühstück gehen wir beiden Alten an den Strand gegenüber bei der Manly Wharf und genießen das Ozon-Loch über dem Aussie-Land. Meine bessere Hälfte geht sogar ins Wasser und paddelt downunder. Ich warte lieber, bis der Sommer kommt.

 

Nachmittags geht’s auf den »Spit-Manly-walk«. Es sind zirka. zehn km entlang der Buchten und Fjorde. Sydney liegt an einem stark verzweigten Fjord-System, überall sind herrliche Strände, tolle Villen und einsames Buschgelände. Steve hat uns in Spit ausgesetzt und wir absolvieren den walk.

 

Es geht ständig auf und ab. Guide Sarah marschiert vorne weg mit ermunternden Sprüchen wie: »Jetzt kommen nur noch etwa 20 Stufen und dann geht es bis Manly ziemlich gerade.« Hochmotiviert klettern wir dann die nächsten zweitausend Stufen »up and down« und es erschließen sich uns Ausblicke, einer schöner als der andere.

 

In der letzten Bucht drei km vor Manly knallt uns ein heißer Wind ins Gesicht. Es hat inzwischen eine Temperatur von 37 Grad Celsius (!) und Sarah sorgt sich um ihren Vater:

»Papa, du musst mehr trinken!«

Also trinke ich warmes Wasser aus unserer mitgenommenen Flasche. Würg!

 

Angekommen in Manly-Wharf schmeckt das kalte Bier so gut wie schon lange nicht mehr. Und Sarah trifft auch gleich Freundinnen, denen sie uns stolz vorstellt.

»Meine Eltern aus Deutschland, und ich habe sie gerade über den spit-manly-walk gescheucht.«

Es folgt hundertmal »Oh my God« und »Nice to meet you«.

Alle sind riesig nett.

 

Abends zu Hause hat Steve für uns gekocht. Sarah war skeptisch, denn das macht er eigentlich selten. Es war super. Er hat stundenlang in der Küche gewirbelt, im Kochbuch von Jamie Oliver geblättert und das Ergebnis war hervorragend.

Mail 3

Neues von den Aussies.

Wir waren in der shopping-mall in Sydney, haben aber nichts gekauft. Anschließend sind wir durch den Botanischen Garten bei der Sydney-Opera geschlendert. In zwei großen Bäumen hingen hunderte von »Fliegenden Hunden« ab, die hier »flying foxes«, also Fliegende Füchse heißen. Mann, die sind echt groß: Körperlänge zirka 25 cm und eine Flügelspannweite von bis zu einem Meter. An den Flügelenden haben sie Krallen, mit denen sie sich von Ast zu Ast hangeln. Wenn sie denn gähnen, und das tun sie andauernd, kann man ihre scharfen Eckzähne blitzen sehen. Was sie damit machen, bleibt eurer Fantasie überlassen, jedenfalls lässt Graf Dracula grüßen.

Sie gehören nicht umsonst zu der Familie der »mega-bats«. (Um euch zu beruhigen: Es sind Pflanzen-Fresser.)

Dann haben wir Sarah von ihrer Arbeit auf Cockatoo Island abgeholt. Die Insel ist ein absolutes Highlight für alle Aussies. Wir Europäer würden eher sagen »Naja«.

Auf Cockatoo Island gibt es die ältesten Fabrikgebäude von Australien, also weit über hundert (!) Jahre alt und das älteste Gefängnis, wo die ersten Strafgefangenen aus England ankamen. Und das waren fast alle, denn Australien war die Strafkolonie Englands. Und hier mussten sie schuften. Die Zustände damals waren nicht viel besser als in den deutschen Konzentrationslagern während der Nazi-Zeit. Es ist alles sehr verfallen, aber die Aussies nutzen es für Ausstellungen sehr moderner junger Künstler und machen an Wochenenden dort »big party« und das ist dort richtig teuer.

 

Sarah kurvte uns mit ’nem Elektro-Buggy durchs Gelände und wir fühlten uns wie reiche, privilegierte Besucher. Die Fähre zurück war dann kostenlos, jedenfalls für uns und Sarah. Wie sie das immer macht, ist mir ein großes Rätsel.

Von mir hat sie das nicht! Ich bin früher NIE - naja, FAST NIE - sagen wir ’mal, SELTEN - zumindest NUR GELEGENTLICH - schwarz gefahren.

Heute ist es bedeckt und nur 23 Grad warm. Sarah jobt heute als Betreuerin von Schülergruppen aus dem Binnenland, die noch nie das Meer gesehen haben und lernen, sich ans Wasser zu gewöhnen. Also steht sie mit ihrem Neopren-Anzug im Wasser und dirigiert die Kiddies. Das kann sie ja gut: »Dirigieren!«

 

Das Wetter spielt hier wirklich verrückt. Während es am Dienstag innerhalb weniger Stunden von 25 auf 37 Grad anstieg, hat es dann zwei Tage geregnet bei 23 und 21 Grad. Tage zum Herumgammeln und shoppen.

 

Freitag! Letzter Tag in Sydney.

Sarahs Ei hat uns gephoned, dass ab 3 Uhr alle Wolken weg sind und es 25 Grad warm wird. Ihr i-phone lag falsch. Es war bereits um halb drei stahlblauer Himmel, und wir machen uns auf nach Middle Head. Hier stehen noch die alten Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert, die die englische Kolonie gegen die bösen Holländer, Deutschen und Portugiesen verteidigen sollten, die sich überall in Südostasien, Indonesien und im Pazifik breit machten. Wir haben ’mal wieder einen tollen Blick auf die verzweigte Bucht von Sydney.


 

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