Außerirdisches Leben und die Lichtgeschwindigkeit

Ein Statement zur Science Fiction

Die Frage nach der Existenz außerirdischen intelligenten Lebens wird immer wieder gestellt. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir die Einzigen sind und aufgrund der Vielzahl von vorhandenen möglichen und bereits nachgewiesenen Exoplaneten ist es rein statistisch sogar wahrscheinlich. Wenn es aber ums Aussehen geht, beginnt die Spekulation und es wird eine Frage des Glaubens. Da aber die Bedingungen für das Entstehen von Leben, wie wir es uns vorstellen, relativ klar sind: Der Planet muss in der habitablen Zone liegen, um flüssiges Wasser zu ermöglichen, er darf eine bestimmte Größe nicht überschreiten etc, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Evolution dort ähnlich verläuft oder verlaufen ist. Die Aliens dürften uns also sehr ähnlich sehen. Allerdings verhindern zwei Dinge einen möglichen Kontakt und machen die Diskussion über das Aussehen gegenstandslos: die Lichtgeschwindigkeit als Grenzgeschwindigkeit aller Materie und die Zeit. Unser Universum existiert seit etwa 13,8 Milliarden Jahren, Sonnen und Planeten haben sich seit 13,2 Milliarden Jahren gebildet, die Erde gibt es seit ungefähr 4,5 Milliarden Jahren.  Wenn man diese 4,5 MIlliarden auf 24 Stunden umrechnet, würde es den Homo sapiens seit 3,6 Sekunden geben. Dass in diesen 3,6 Sekunden sich intelligentes Leben zur gleichen Zeit woanders entwickelt hat, ist statistisch gesehen nahezu Null. Und wenn, dann wären mögliche Aliens hunderte, wenn nicht sogar tausende von Jahren unterwegs, um uns begrüßen zu können. Unser nächster Nachbarstern Alpha Centauri ist 4,35 Lichtjahre entfernt und hat keine Planeten in der habitablen Zone.

 

Es kann natürlich alles auch ganz anders sein. Doch das sind Spekulationen und ich bleibe bei meiner Science-Fiction doch lieber bei dem Wahrscheinlicheren nach dem Motto: Science Fiction ist die Literatur des wissenschaftlich Denkbaren, des Möglichen. Alles andere wäre Fantasy. Wogegen allerdings nichts einzuwenden wäre, denn Fantasy hat natürlich ebenfalls seine Berechtigung. Nur spielt sie bei diesen Überlegungen keine Rolle.

Science-Fiction-Autoren, die sich mit Weltraumfahrten befassen, müssen also die Lichtgeschwindigkeit als Grenzgeschwindigkeit austricksen. Da gibt es den WARP-Antrieb, der die Raumzeit verzerrt – das kennt man von der Gravitation –,  und Wurmlöcher, für die man sich schon in ein Schwarzes Loch begeben müsste (die gibt es), um in einem weißen wieder herauszukommen (die gibt es wahrscheinlich nicht, es spricht jedenfalls nichts dafür). Viel Vergnügen!

Da ich selbst Science-Fiction schreibe, die unter anderem im Weltraum spielt, musste ich ebenfalls das Problem mit der Geschwindigkeit lösen und das geht nur mit Spekulationen. Ich habe mich in meinen Büchern bemüht halbwegs wissenschaftliche Erkenntnisse einzuarbeiten und mich wie folgt geäußert:

Selena oder Aliens sind auch nur Menschen, Kapitel 2, S. 30 bis 32

Die Geschwindigkeit, die das Raumschiff erreichen kann, bringt mich ziemlich durcheinander. Es schert sich nämlich einen Teufel um Einstein und kann die Lichtgeschwindigkeit um ein Vielfaches überschreiten.

Ich bespreche das Problem mit Selena und sie beruhigt mich.

»Einstein hat sich nicht geirrt. Im Bereich des vierdimensionalen Raum-Zeit-Vorstellungsvermögens der Menschen deiner Erde erweist sich die Lichtgeschwindigkeit weiterhin als Grenzgeschwindigkeit. Nur der Raum zwischen den Sternen ist nicht vierdimensional, und da gilt Einstein nur bedingt. Du weißt vielleicht, dass man in der Quantenphysik ein Teilchen dazu bringen kann, zwei Zustände gleichzeitig einzunehmen, dem der Bewegung und dem der Ruhe. Erst durch einen Einfluss von außen kann man es dazu zwingen, sich zu entscheiden, welchen von beiden Zuständen es endgültig einnehmen soll. Das ist auch euch auf der Erde bekannt. Ebenso kann in der Quantenphysik ein Teilchen sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten befinden. Und genau das nutzen wir aus. Das Schiff befindet sich an zwei verschiedenen Orten im fünfdimensionalen Raum. Wir führen nun eine Entscheidung herbei, welchen der Orte es einnehmen soll. Die Geschwindigkeit spielt dann keine Rolle mehr, weil keine Zeit vergeht. Das Schiff springt gleichsam durch die Raumzeit, nur die Anzahl der Sprünge ist durch die Lichtgeschwindigkeit begrenzt. Insofern hat euer Herr Einstein recht. Um nun die Quantenphysik auf die Makrophysik übertragen zu können, muss man die schwache Kraft beherrschen, und man muss Energie in ungeheuer großen Mengen auf kleinstem Raum speichern können. Stell es dir wie ein Schwarzes Loch vor, nur ohne Schwerkraft. Wobei das dann natürlich kein Schwarzes Loch mehr ist.«

Welches denn nun die fünfte Dimension ist, will ich von Selena wissen.

Daraufhin hält sie mir einen Vortrag, den ich so gut wie gar nicht verstehe. Jedenfalls säuselt sie etwas von fehlenden Möglich­keiten meines Gehirns, das doch so viel mitbekommt, dass so etwas wie ›Bewusstsein‹ als die fehlende Dimension in Frage kommen könnte.

Bewusstsein? Das irritiert mich nun aber gewaltig.

»Soll das heißen, dass Galaxien, Sterne und Sonnen ein Bewusstsein haben?«

»Ja und Nein«, ist Selenas salomonische Antwort.

 »Ja, sie haben ein Bewusstsein um ihre Existenz und um ihre Vergänglichkeit.

Nein, sie haben kein Bewusstsein in dem Sinne, wie ihr Menschen es versteht. Das Bewusst­sein liegt in einer anderen Dimension. Das Denken von euch Menschen beziehungsweise euer Gehirn, so hatte ich dir bereits erklärt, ist nicht dafür gebaut, fünf Dimensionen zu begreifen. Ihr seid nicht einmal in der Lage, die euch bekannte vierte Dimension, die Zeit, wirklich zu verstehen. Aber ihr besitzt so etwas wie Intuition, die euch eine Ahnung von dieser Dimension vermittelt. Das zeigt sich in euren Gottes- und Schöpfungsvorstellungen, die ein Behelf dafür sind, dass es noch etwas gibt, außerhalb eurer Begriffswelt.«

 

 Oder »Selena II oder Auch wir sind Aliens! Fast überall!«, Kapitel 11, S. 218/219

»Ich weiß von dem Schiffscomputer, dass ihr die Quantenmechanik nutzt, aber richtig verstanden habe ich es nicht.«.

»Ich will es euch einmal mit dem Wissen auf eurer Erde erklären. Euer Herr Einstein konnte sich eine lange Zeit nicht mit der Quantenmechanik anfreunden, er suchte immer nach einem Fehler in der Konstruktion. Ihr kennt vermutlich seine Aussage dazu, dass Gott nicht würfelt. Aber, um in seinem Bild zu bleiben, Gott würfelt eben doch. Wir machen nichts anderes als die Würfel zu manipulieren und die Anzahl der Würfe zu bestimmen. So einfach ist das.

 

Der Fehler in meiner Konstruktion ist die Tatsache, dass Quantenphysik, die in subatomaren Bereichen gilt, nicht auf die Makrophysik übertragbar ist. Jeder Versuch Einfluss auf ein Quant zu nehmen oder es nur beobachten zu wollen, verändert die Eigenschaften und das Verhalten des Quants. Insofern kann man nur statistische Vorhersagen treffen und von einem wahrscheinlichen Verhalten von vielen möglichen sprechen*. Diese Möglichkeiten versucht man bei einem Quantencomputer zu nutzen, da ein Quant sich nicht nur im Zustand 1 oder 0 befindet kann (Schaltung an oder aus), sondern auch in etlichen weiteren (zum Beispiel an und aus gleichzeitig).

Aber ich schreibe ja Science-Fiction und keine physikalischen Abhandlungen.

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* siehe Schrödingers Katze: Bei seiner nur theoretischen Versuchsanordnung kann man keine Aussage darüber treffen, ob die Katze tot oder lebendig ist; man kann nur sagen, dass sie zu 50 % tot und zu 50 % lebendig ist, womit er zeigt, dass die Übertragung quantenmechanischer Begriffe auf die makroskopische Welt zu Paradoxien führt.

 

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